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"Kabul muß
brennen" Zitat von General Akhtar
Abdul Rehman Khan, Direktor des Inter Services Intelligence,
Pakistan, 1980-1987.
Tn den zwanzig Monaten von April 1978 bis zur sowjetischen
Invasion von Afghanistan im Dezember 1979 gab es in Kabul
nicht weniger als drei blutige Umsturze m der Stadt. Während
dieser Monate starben zehntausende von Afghanen in den
wahrscheinlich mörderischsten Säuherungsaktionen seit den
Tagen Stahns. Kabul mrt se'nem brandneuen Gefängnis bei
Pol-i-Charki, zehn Kilometer ostwarts der Stadt, war das
Zentrum des Blutbades und wurde zu einer Stätte für
Exekutionen und Folterungen. Wer auch immer Kabul
kontrollierte, der kontrollierte auch Afghamstan, sowohl in
den Augen der Afghanen als auch in den Augen der Welt.
Jahrhundertelang waren die Paläste und der Thron der
afghanischen Könige in Kabul, bis das königliche Gesetz plötzlich
durch Daoud Khan, einen Cousin von Kömg Zahir Schah. geändert
wurde. Dies geschah 1973. Innerhalb von fünf Jahren Jedoch
mehrten sich die Anzeichen, daß Daoud sich von den
sowjetischen Meistern m Moskau unabhängig machte. Die
Zwischenfälle erreichten ihren Höhepunkt. als 1977 während
eines Besuches im Kreml Daoud Meinungsverschiedenheiten mit
Prasrdent Breschnjew hatte. Er schlug mit Fäusten auf den
Tisch und schrie, daß die Afghanen ihre eigenen
Entscheidungen in Afghanistan träfen. Wut spiegelte sich im
Gesicht des sowjetischen Präsidcnten; Oaoud hatte sein
eigenes Todesurteil unterzeichnet. Am 27. April 1978 um neun
Uhr vormittags führte eine Gruppe junger marxistrscher
Offiziere einen Panzer- und Luftangriff auf den Palast Arg im
Zentrum der Stadt. wo Daoud und seine Familie, geschützt
durch die 1.800 Mann starke Präsidentengarde. Iebten Wie bei
jedem Putsch waren auch hier die Geschehnisse während des
Tages verwirrend. Am Nachmittag wurde der Palast durch MiG-21-
und Su-7-Kampfflugzeuge bombardiert, er hielt jedoch stand: Am
Abend fiel Radio Kabul; aber es dauerte noch bis vier Uhr am
Morgen des 28. . bis Daoud und seine Familie im Kampf um den
Palast starben.
Die Sowjets mußten nun wählen, wer die nächste
Marionette mit Verantwortung werden sollte. Diese Wahl wurde
durch die Tatsache, daß die Afghanische Kommunistische Partei
zersplittert war, erschwert. Genau wie die Mudschahedin waren
diese Marxisten vor allem Afghanen mit der gleichen Neigung zu
Fehden, Gewalt und internen Machtkämpfen. Die afghanischen
Kommunisten waren schon damals m zwei Blöcke geteilt. Tm
Jahre 1978 wurde die Parcham-Fraktion von Babrak Karmal geführt,
die Khalq-Gruppe von Nur Mohammad Taraki. Breschnjew wählte
Taraki aus, weil er ihn einmal getroffen hatte und sicher war,
daß er gute Arbeit lersten wurde. Tarakis erste Amtshandlung
war, sich seines Rivalen Karmal zu entledigen, indem er- ihn
zum Botschafter in Prag machte. Danach wurden die Unterstutzer
Karmals getötet, von denen viele Agenten des KGB waren.
Afghanistan war nun offiziell ein kommunistischer Staat.
Innerhalb eines Monats begann sich eine bewaffnete
Widerstandsbewegung zu bilden. In Kabul ersetzte Rot das Grün
als Nationalfarbe. Es wurde eine große Demonstration
organisiert, um dem Hissen der roten Flagge beizuwohnen, und
man ließ unzählige Tauben, die rote Bänder trugen, fliegen.
Öffentliche Gebäude wurden rot angestrichen. während sich
Geschäftsinhaber und Haushalte in Kabul im Wetbiewerb
befanden, wer das größte Porträt von Taraki besaß oder
wessen Türen und Fenster das leuchtendste Rot trugen. Im Frühjahr
des Jahres 1979 waren die Vorräte an roter Farbe verbraucht.
Jedoch waren die meisten Kabuler, wahrschcinlich sogar die
meisten Afghanen, die sich als Gefolgsleute des neuen Glaubens
darstellten, in Wirklichkeit 'Radieschen' Kommunisten, rot von
außen und innen weiß. Ihr Verhalten war vielmehr von Gefahr
als aus politischer Uberzeugung geprägt.
Dre Bulldozer mußten auf den Feldern rund um das Gefängnis
von Pul-i-Charki die Massengräber der Exekutierten schließen.
Es wurde später von Zeugen bestätigt daß dreißig große Löcher
gegraben wurden. Jedes Loch wurde später zum Grab von rund
hundert Gefangenen, die während der Nacht mit gefesselten Händen
in die Löcher geworfen und dann lebendig begraben wurden. als
die Bulldozer die Gräber füllten.
Wie bereits zuvor erwähnt, wurde im Februar 1979 der US-Botschafter
Dubs in einem Kabuler Hotel erschossen. Im darauf folgenden
Monat ereignete sich die Massenmeuterei in der 17.
Afghanischen Division in Herat. verbunden mit der Tötung und
Zerstückelung von sowjetischen Einwohnern in der Stadt. Sogar
Breschnjew bekam nun Zweifel, ob es so klug gewesen war.
Taraki auszuwählen. Er sandte den Chefideologen der Roten
Armee, General Alexei Jepischew, zusammen mit sechs weiteren
Generälen, nach Kabul. um dort Fakten herauszufinden. Was er
dort sah, verursachte ihm Gänsehaut. Die grundlosen Tötungen
trieben die Bevölkerung direkt in die starke und
schnellwachsende Widerstandsbewegung, die Afghanische Armee
stand kurz vor dem Zusammenbruch. und Taraki hörte nicht auf
seine sowjetischen Berater. Im Kreml wurde ein Komplott
ausgearheitet, und Amin, der Premierminister, sollte die Präsidentschaft
von Taraki übernehmen. Der KGB sah die Studentenzeit von Amin
in den USA an der Columbia-Universität als verdächtig an und
vermutete, daß er Verbindungen zur CIA hatte. Daher war er
gegen diese Ubernahme. Aber Breschnjew hörte nicht auf den
KGB. Taraki wurde nach Moskau beordert, während Amin in Kabul
seine Machtübernahme vorbereitete. Kurz nach Tarakis Rückkehr
griff Amin zu, fesselte ihn auf einem Bett und erstickte ihn
mit einem Kissen. Dies alles geschah im September 1979.
Innerhalb weniger Wochen war klar, daß Breschnjew einen
weiteren Blender an die Macht gebracht hatte. Amin hielt nicht
mehr Wort bei den Versprechungen, die er Moskau gegenüber
gegeben hatte. Er verfügte, daß die sowjetischen Berater zurückgerufen
wurden, er protestierte gegen die Aktivitäten des KGB und tat
nichts, um den aufkeimenden Widerstand gegen den Kommunismus
in allen Provinzen zu unterdrücken. Der KGB, der gegen die
Aufstellung von Amin gewesen war, bekam die Aufgabe, ihn des
Amtes zu entheben. Ein Agent Amins wurde beauftragt, ihn zu
vergiften. Da aber Amin seine Lebensmittel und seine Getränke
snändig wechselte, schien diese Methode sehr schwierig. Das
Politbüro verlor die Geduld und verlangte eine großangelegte
Invasion. Der Direktangriff sollte Amin töten. Ende Dezember
1979 gab es den Weihnachtsumsturz, als Amin im Palast von
Darulaman im Kugelhagel eines KGB-Kommandos, das das Gebäude
stürmte, starb. Das KGB-Kommando hatte den Auftrag keine
Gefangenen zu machen, und es gab einen Kampf von Raum zu Raum
gegen Amins Wachen. Als der Führer des KGB-Kommandos, Oberst
Bajerenow, der eine afghanische Uniform trug, den Palast
verließ, vermutlich um Verstärkung anzufordern, wurde er von
nervösen Soldaten außerhalb des Palastes erschossen.
Sowjetische Divisonen überquerten den Amu und landeten auf
dem Flughafen von Kabul. Die Invasion lief, der Jihad stand
kurz vor seinem Beginn, und Babrak Karmal sicherte sich seinen
Platz im Präsidentenpalast.
Ich habe die Zwischenfälle in Kabul deshalb im Detail
beschrieben, weil sie wichtig sind, um zu verstehen, welche
Bedeutung Kabul für Afghanistan und den Jihad hat. Kabul als
Hauptstadt ist das Zentrum der politischen, ökonomischen,
diplomatischen und militärischen Aktivität. In Kabul liegen
die Ministerien der Regierung, die Universität und die
technischen Schulen, die ausländischen Botschaften sowie das
Hauptquartier der afghanischen Armee und dessen zentrales
Korps. Durch Radio Kabul und die Fernsehstudios konnte das
herrschende Regime die Nachrichten manipulieren, Propaganda
verbreiten und seine Dekrete veröffentlichen.
Genau wie in den Tagen des römischen Imperiums führten
alle Straßen in Afghanistan nach Kabul. Kabul befindet sich
im Zentrum eines Wagenrades, dessen Speichen die Straßen und
Täler, die sich in alle Richtungen ausbreiten, darstellen.
Zum Norden hin führt die Salang-Autobahn den Verkehr zum Amu,
das Panjsher-Tal teilt den Hindukusch. Im Osten bringt die
Route I den Reisenden entlang des KabulFlusses nach Jalalabad
und über den Khyber-Paß nach Peshawar. Einige kleinere Straßen
in den Südosten laufen zu den Pässen über die Berge nach
Parachinar und über Gardez und Khost nach Miram Shah in
Pakistan. Die große Ringstraße, die von den Amerikanern
gebaut wurde, führt in Richtung Süden nach Ghazi, Kandahar
und schließlich nach Herat, 650 Kilometer westlich von Kabul.
Nach Westen hin führen zahllose kleinere Täler und Wege in
das Hazarajat-Gebirge. Kabul hat eine gro13e strategische
Bedeutung. Wir beim ISI wußten: Solange eine kommunistische
Regierung Kabul kontrollierte, kontrollierte sie das
Nervenzentrum des Landes. Um den Krieg zu gewinnen, mußten
wir nicht nur die Sowjets aus Afghanistan vertreiben, sondern
ebenso die afghanischen Kommunisten in Kabul ersetzen. Nur mit
den Mudschahedin in der Hauptstadt würde die Welt unseren
Sieg anerkennen. So war die Einschätzung von General Akhtar
und dies war auch unser Ziel. Um dieses zu erreichen, mußte
Kabul brennen.
Vor Beginn des Krieges lag die Bevölkerungszahl bei 750.000
Einwohnern, nachdem jedoch die Sowjets das Land zerstörten,
flohen die Flüchtlinge nach Kabul. 1985 lehten zwei Millionen
Menschen in Kabul oder kampierten in Zelten in den Außenbezirken.
Dazu sind noch zehntausende sowjetischer und afghanischer
Soldaten zu addieren. Mit etwas Phantasie kann man
nactvollziehen, welche Belastung und Spamlungen es in Kabul
gab. Fünfzehn Personen in einem Dreißig-QuadratmeterRaum war
normal; die Wasser- und Stromversorgung war unzureichend, die
Kanalisation stank, und die Finwohner lebten in der ständigen
Angst, daß mitten in der Nacht die Agenten des KHAD an der Tür
klopften; im Gefängnis von Pol-i-Charki, das ursprüinglich für
5.000 Gefangene gebaut war, saßen nun nahezu 20.000 Gefangene.
Jeder hatte zu jeder Zeit seine Identitätskarte mitzuführen,
und jede Straße hatte eigene Kontrollpunkte, wo
Kontrollpersonal die Papiere überprüfte. Es gab eine
Ausgangssperre für die Stadt, mit Ausnahme für Patrouillen
von Polizei und Militär, zwischen 22 Uhr und 4 Uhr. Die
Bewegungen von und nach Kabul wurden rigoros beschränkt.
Selbst Diplomaten erhielten Straßenkarten mit einem roten
Kreis, der in einen zehn Kilometer Radius um das Zentrum der
Stadt gezogen war. Weiter durften sie sich nicht entfernen.
Die afghanischen Truppen mit ihren sandfarbenen Uniformen und
die Sowjets mit ihren olivgrünen Uniformen stellten die
Sicherheitsposten in allen Regierungsgebäuden und militärischen
Objekten. Einige Gebäude wurden mit Sandsäcken geschützt,
und die indische Botschaft beklebte ihre Fenster damit diese
durch den Druck bei der Detonation von Bomben nicht zerstört
wurden. Telefone wurden aLgehört, und in der Post wurde
jedermann durchsucht, bevor er auch nur eine Briefmarke kaufen
konnte. Große revolutionäre Poster wurden an die Wände
geklebt, und Lautsprecher in den Straßen stellten sicher, daß
jedermann die neuesten politischen Proklamationen hörte. Es
herrschte immer ein Mangel an Nahrungsmitteln, speziell an Früchten
oder Gemüise. Mehl, Brot, Zucker und Pflanzenöl wurdezu
subventionierten Preisen verkauft, die Mengen waren jedoch
begrenzt. Über 100 Tonnen Mehl wurden täglich in die Stadt
gebracht, die eine Hälfte zu den Bäckern, die andere Hälfte
für die Öffentlichkeit, was jedoch nicht ausreichte, um zwei
Millionen Münder zu füttern. Der Preis für Benzin stieg
jede Woche, obwohl Angehörige der Kommunistischen Partei
trotz der steigenden Lebenshaltungskosten die Erlaubnis
bekamen, zu verbilligten Preisen zu kaufen.
Merkwürdigerweise waren die Geschäfte voll mit westlichen
Konsumgütern, welche von den sowjetischen Soldaten gekauft
wurden, wenn sich diese es leisten konnten. Für den
durchschnittlichen Einwohner von habul, der um die 3.000
Afghanis pro Monat bekam, war der Kauf dieser Gegenstande nur
ein Traum. Ein kleiner Kühlschrank kostete ein Jahresgehalt,
ein Farbfernseher zwei Jahresgehälter und ein Auto der Firma
Toyota 27 Jahresgehälter. Einige versuchten, ihre Sorgen im
Alkohol zu ertränken. Es wurde eine neue Destille für Wodka,
Brandy und Wein gebaut. Betrunkene in den Basaren von Kabul
waren nun ein gewöhnliches Bild. All dies war Teil der
kommunistischen Kampagne gegen den lslam, was soweit ging, daß
Wehrpflichtige der Afghanistan Armee gezwungen wurden, Alkohol
zu trinken.
Über die Hälfte der Bevölkerung innerhalb Kabuls unterstützte
den Jihad, und wenn dies nicht auf praktische Weise geschah,
dann wenigstens durch ihren Haß auf die Sowjets und deren
afghanische Verbündete. Obwohl die Angst in der Stadt
grassierte, waren viele der Einwohner Mudschahedin, die täglich
ihr eigenes Leben und das ihrer Familie riskierten, um
Sabotageakte durchzuführen, Informationen weiterzuleiten oder
Schutz für jene zu gewährleisten, die sich auf der Flucht
befanden. Obwohl die Sicherheitsvorkchrungen verschärft
wurden hatten wir während des Krieges trotz Anwendung von
lerror und Folter immer aktive Unterstützer in Kabul. Unser
Problem war es nun, den Zusammenbruch des Kommunismus zu
provozieren, ohne einen militärischen Direktangriff
durchzufuhren, bei dem sich die Mudschahedin keinen Erfolg
ausrechnen konnten, weil die sowjetische Armee die Stadt
besetzt hatte.
Unsere Strategie hatte drei Merkmale Als erstes sollten
durch meine Bemühungen Angriffe koordiniert werden, die Kabul
von Versorgungsgütern und Einrichtungen außerhalb der Stadt
abschneiden sollten. Dies schloß Hinterhalte auf Konvois, die
nach Kabul fuhren, ein, die Sprengung von Staudämmen oder die
Zerstörung der Stromversorgung.
Das nächste Merkmal war Sabotage und Anschläge aus Kabul
selbst heraus. Ich betonte immer, daß unsere Ziele die
Sowjets waren, die Agenten des KHAD, die Regierungsangehörigen
und ihre Einrichtungen in Kabul. Diese Angriffe konnten von
einem Messerangriff zwischen die Schulterblätter eines
Sowjetsoldaten, der in einem Basar einkaufte, bis zu
Briefbomben in einer Behörde reichen. Die erste Maßnahme
zwang alle sowjetischen Soldaten, sich nur in bewaffneten
Gruppen zu bewegen und Zivilisten sich unter den Schutz militärischer
Eskorten zu stellen. Schließlich durften Sowjetsoldaten und
ihre Familien die Märkte nicht mehr betreten. 1983 legten wir
eine Bombe in der Mensa der Universität Kabuls. Beim Essen tötete
die Explosion neun Sowjets. Die Lehrinstitutionen waren ein
geeignetes Ziel, weil das Personal aus Kommunisten bestand,
die ihre Studenten marxistisch indoktrinierten. Für die
Muschahedin bedeutete das, daß man versuchte, die Jugend zur
Abkehr vom wahren Glauben des Islam zu bringen. Ich möchte
herausstellen, dal3 1982 nicht weniger als 140 sowjetische
Spezialisten und 105 Russisch-Sprachlehrer an der Universität
und an einer technischen Schule in Kabul ausbildeten. Andere
Opfer waren der Rektor der Universität und General Abdul
Wadood, der Kommandeur des zentralen Korps, der in seinem Büro
getötet wurde. 1983 wurden sieben weitere sowjetische
Offiziere in Kabul getötet. Zwei dieser Offiziere wurden von
einem 17 Jahre alten Jungen getötet, dessen Eltern von den
Sowjets umgebracht worden waren. Der Junge versteckte eine
Pistole unter seiner Decke und griff sie an, als sie ein
sowjetisches Kulturzentrum (ein Kino) verließen, wo Filme für
Sowjets gezeigt wurden. Er gab mehrere Schüsse ab und entkam
in den rückwärtigen Straßen. Wir versorgten ihn später mit
falschen Papieren.
Es gab zahllose Versuche, Nadjibullah zu töten, bereits
als Chef des KHAD und auch später als Präsident. 1985 hatte
zum Beispiel ein Kommandeur mit Unterstützung eines
KHAD-Offiziers in Kabul, der selbst ein
Mudschahedin-Sympathisant war, beinahe Erfolg. Sprengstoffe
wurden in die Stadt geschmuggelt, ein Auto unter falschem
Namen angemietet und die Bombe im Auto versteckt. Der
Kommandeur bekam Details von einem geplanten Besuch
Nadjibullahs in der indischen Botschaft, die sich gegenüber
dem Haupt4uartier des KHAD im Ministerium des Innern an der
Shari Nu Straße befand. Er parkte das Auto zwischen den
beiden Gebäuden. Eine funkferngesteuerte Zündung versagte im
entscheidenden Moment; zu diesem Zeitpunkt wurde jedoch eine
zusätzliche Zeitzündung benutzt. Unglücklicherweise verspätete
Nadjibullah sich jedoch um vierzig Minuten und so detonierte
die Bombe, bevor das Opfer ankam. Der Kommandeur floh in
seinem Fluchtwagen und starb einige Monate später, als er
eine weitere Bombe vorbereitete.
Der dritte Weg, Kabul zu treffen, waren weitreichende
Raketenangriffe. Zehntausende von Raketen sind auf die Stadt
und ihre Umgebung während des Krieges abgeschossen worden.
Nur für kurze Perioden während des Winters vergingen die
Tage ohne derartige Angriffe. Kabul war als große Stadt
nahezu unmöglich zu verfehlen obwohl ich anführen möchte,
daß wir niemals ohne Ziel feuerten. Unsere Ziele waren immer
militärischer Art oder irgendwie in Verbindung mit der
Kommunistischen Regierung. Ich will damit nicht sagen, daß
niemals unschuldige Zivilisten oder Unterstützer der
Mudschahedin bei derartigen Raketenangriffen getötet wurden,
mit Sicherheit geschah so etwas, es war jedoch nicht
beabsichtigt. Bedauerlicherweise kann ein moderner Krieg nicht
ohne das Leiden von Unschuldigen geführt werden. Hatten wir
davon abgesehen, Kabul anzugreifen, weil die Möglichkeit
bestand' unschuldige Zivilisten zu treffen, dann hätten wir
das Fundament unserer Strategie uns selbst unter den Füßen
weggezogen.
Einen aufschlußreichen Kommentar über die unbeabsichtigte
Tötung von Zivilisten hörte Mark Urban, der Autor von 'War
in Afghanistan', von Abdul Haq, einem Kommandeur, der gegen
Kabul operierte. Er sagte: "lhr (die Mudschahedin) Ziel
sind nicht die Zivilisten ... Wenn ich sie jedoch treffe,
mache ich mir keine Sorgen darüber ... Wenn meine Familie in
der Nähe der sowjetischen Botschaft wohnen würde, würde ich
trotzdem schießen, ich würde mir keine Sorgen um sie machen.
Wenn ich darauf vorbereitet bin, zu sterben, dann hat auch
mein Sohn darauf vorbereitet zu sein, genau wie meine
Frau."
Meine Liste potentieller Ziele für Raketenangriffe
innerhalb Kabuls hatte über siebzig Punkte. Auf Karte 12 habe
ich die Wichtigsten aufgeführt. Top-Priorität hatten die
sowjetischen und afghanischen Militäreinrichtungen. Kasernen
und Depots. Weiterhin der Darulaman-Palast und das Tari Tajbeg-Lager,
in dem sich das Hauptquartier der sowjetischen 40. Armee und
des afghanischen Zentralkorps befand der Flughafen von Kabul
mit seiner angegliederten Garnison, die Kaserne von
Chihilsatoon, die Lager gegenüber dem Gefängnis Pul-i-Charki:
die Festung Balar Hissar, in der sich em sowJetisches
Fernmelderegiment befand, das Lager Khair Khana, in dem sich
eine Transportkompanie und die 108. Sowjetische Mot-Schützendivision
befand; die Garnison von Rhishkoor, das Hauptquartier sowohl
der 77. Afghanischen Division und der 37. Kommandobrigade
sowie der 88. Artilleriebrigade, weiterhin die Garnison Kargha
mit ihrem enormen Munitionsdepot und dem Hauptquartier der 8.
Division sind Beispiele für reine militärische Ziele. Das
erste auf der Liste der zivilen sowjetischen Einrichtungen war
ihre Botschaft. Es verging nahezu keine Woche, in der nicht
versucht wurde, dieses Gebäude zu treffen. Kurz danach folgte
der Bezirk Microrayan in der Innenstadt. Dies war ein
wildwuchernder, aus Fertigteilen hergestellter
Appartementkomplex, der für sowjetische Berater, ihre
Familien sowie offizielle Vertreter der Afghanischen
Kommunistischen Partei reserviert war. Weiterhin waren unsere
Ziele das Hauptquartier des KHAD, alle Regierungseinrichtungen,
der Präsidentenpalast, Radio Kabul (dies war jedoch schwierig
weil sich der Sender in unmittelbarer Nähe der amerikanischen
Botschaft befand). Fernsehstudios, LKW-Transporte. Fuhrparks,
Stromversorgungseinrichtungen Treibstofftanks usw.
Unsere Fähigkeit, Ziele in Kabul zu treffen, hing von den
Waffen ab, die wir benutzten und ihrem Einsatz bei den
Mudschahedin. Bei den Waffen war alles eine Frage der
Entfernung. Wie weit würde eine Bombe oder Rakete nach Kabul
hineingetragen werden, und dadurch bedingt, in welcher
Entfernung mußte die Feuerstellung zum Ziel sein? Es dauerte
bis zum Frühjahr 1984, bis wir über 107 mm-Mehrfachraketenwerfer
mit einer Reichweite von 8 - 10 km verfügten. Vorher war
unsere Artillerie der 82 mm-Granatwerfer, der nur eine
begrenzte Reichweite hatte, weshalb wir bis auf 3.000 m bis
ans Ziel herankommen mußten, wie es der Kreis auf der Karte 5
zeigt. Dies bedeutete, daß die Feuerstellung meist innerhalb
der Stadt lag. Nachdem einige Zeit vergangen war und die
Verteidigung von Kabul nicht mehr vom Zentrum, sondern sich
auf die Außenbezirke orientierte, war es uns unmöglich,
derartige Angriffe durchzuführen. Die Ankunft der
chinesischen Mehrfachraketenwerfer gab uns die Möglichkeiten,
die wir benötigten. Obwohl es eine sperrige und schwere Waffe
war, hatte sie die notwendige Reichweite, Treffgenauigkeit und
Feuerkraft. Mit Hilfe der zwölf Rohre waren wir in der Lage,
eine Salve von Raketen auf ein Ziel abzuschießen,
vorausgesetzt, daß wir die erforderliche Munition in die
Feuerstellung bringen konnten. Dies ermöglichte uns, Angriffe
aus dem Stand auf die Stadt durchzuführen. Über 500 dieser
Waffen wurden während meiner Zeit beim ISI nach Afghanistan
gebracht, wovon 75 Prozent rund um Kabul eingesetzt wurden.
Es war nicht nur die Reichweite der Waffe, die entscheidend
war für erfolgreiche Angriffe, sondern auch die Verfügbarkeit
von Munition. Es war nutzlos, ein Ziel zu treffen, wenn es
nicht ernsthaft beschädigt oder zerstört wurde oder
Verletzte forderte. Das bedeutete oft, daß ein Feuerschlag
eine Explosion oder ein Feuer auslösen mußte. Der größte
Lagerbehälter für Treibstoff in Kabul lag im nördlichen
Bereich von Koh-i-Azami (Karte 12). Dies war natürlich ein
Angriffsziel. Unser erster Versuch war ein Angriff mit
Granatwerfern, was zu einem direkten Treffer führte; jedoch
brannte der Treibstoff nicht. Möglicherweise waren die
Lagerbehälter nicht gefüllt, oder es waren nicht ausreichend
Gase vorhanden, um zu zünden. Wenn man Sprenggranaten
einsetzte, zerstörten diese die Wände der Tanks. Iösten
aber kein Feuer aus. Die weißen Phosphorgranaten (Rauchbomben)
konnten die Tanks zwar in Brand schießen, zerstörten aber
nicht die Wände der Tanks.
Der nächste Versuch wurde von drei Mudschahedin ausgeführt,
die in der Nacht bis auf 100 Meter heranschlichen, zwei
Raketen mit einer RPG-2 auf den Lagertank abfeuerten und in
einem Fluchtauto entkamen. Wieder ein direkter Treffer, aber
wieder kein Feuer. Ich hatte lange Diskussionen mit Technikern
des CIA über dieses Proble-n, jedoch konnten diese nicht mit
einer direkt feuernden Waffe aufwarten. Mittlerweile wurden
die Sicherungsmaßnahmen zur Verteidigung der Tanklager erhöht,
was einen Angriff auf kurze Entfernung unmöglich machte.
Obwohl diese Behälter immer das Ziel für weitreichende
Angriffe waren, überlebten sie den Krieg.
Bis zum April l985 hatten die Sowjets einen äußeren
Verteidigungsring rund um Kabul ausgebaut, der rund zehn bis
zwölf Kilometer vom Zentrum entfernt war. Dies verursachte für
uns gravierende Probleme bei der Durchführung von
Raketenangriffen, sogar mit den chinesischen
Mehrfachraketenwerfern. Die Schwierigkeiten waren das Gewicht
und die Schußentfernung. Die chinesischen
Mehrfachraketenwerfer waren zu schwer, um sie über längere
Distanzen von den Soldaten tragen zu lassen, und die
Reichweite von neun Kilometern erreichte die meisten Ziele
innerhalh der Stadt nicht. Zu diesem Zeitpunkt gab es keine
Aussicht auf eine weitreichendere Waffe, und ich mußte mir
selbst helfen,um einen leichteren Raketenwerfer zu beschaffen.
Was benötigt wurde, war ein einschüssiger Raketenwerfer, der
leicht von einem Mann transportiert werden konnte, so daß
dieser auch bei Nacht zwischen den feindlichen Stellungen
hindurchschlüpfen konnte.
Wir nahmen ein Rohr von einem teilweise zerstörten
Mehrfachraketenwerfer, der von der pakistanischen Armee in
eine weitere Waffe umgewandelt wurde - einen
Einfachraketenwerfer. Dieser Einfachraketenwerfer wurde dem
CIA vorgestellt, und ich fragte sie, ob sie in der Lage wären,
uns diese Waffe in größeren Mengen zu beschaffen.
Mittlerweile traf ich auch den chinesischen Militärattache
und fragte ihn ob er diese Waffe herstellen lassen könnte. Zu
meiner Uberraschung sagte er mir, daß ein derartiger
Einfachrakctenwerfer in der chinesischen Armee vorhanden war,
nun aber als veraltet betrachtet wurde. Es würde einige Zeit
in Anspruch nehmen, um die Produktion erneut anlaufen zu
lassen, es wäre jedoch möglich. Der CIA und die Chinesen
kooperierten bei der Durchführung dieses Projokts.
lch orderte 1985 500 dieser Einfachraketenwerfer, und im Frühjahr
des folgenden Jahres kam das erste Kontingent dieser Waffen
nach Rawalpindi. Bis Ende 1987 führten wir 1.000 dieser
Waffen ein. Diese Waffe vergrößerte unsere Fähigkeit, Kabul
zu treffen.
Das Problem der Entfernung wurde teilweise überwunden,
nachdem wir ägyptische122 mm-Raketenwerfer bekamen, die eine
Reichweite von 11 km hatten. Es war jedoch nicht die perfekte
Lösung, weil der Raketenwerfer, obwohl er nur ein einziges
Rohr hatte, lang und sperrig war und nur mit Schwierigkeiten
auf einem Pferd oder Maultier verladen werden konnte. Wie der
Mehrfachraketenwerfer, so war dieser Raketenwerfer zu schwer,
um ihn durch Soldaten transportieren zu lassen. Wir erhielten
nur 100 dieser Raketenwerfer, und ich begrenzte ihre Ausgabe
auf die Kommandeure, die in der Lage waren. Kabul oder größere
Flugplätze zu beschießen. Jeden Tag nach 21 Uhr war der
Himmel über Kabul für zwei Stunden der Ort eines spektakulären
Feuerwerks, weil Dutzende von Raketen durch die Dunkelheit
schossen, sowjetische Vorfeldbeleuchtung und Suchscheinwerfer
die Nacht aufhellten und Raketen- und Artilleriefeuer die
Nacht beleuchtete. Nachdem die meisten Straßenbeleuchtungen
zerstört waren, war dieses Feuerduell die einzige Beleuchtung
in der dunklen Metropole. In der Regel waren gegen 23 Uhr die
Feuerstellungen der Mudschahedin ohne Munition, und so erstarb
von ihrer Seite das Feuer, nicht jedoch das der Sowjets. Ihre
Vorfeldbeleuchtung und ihre Artilleriegeschütze feuerten noch
bis in den frühen Morgen. Um 5.30 Uhr am Morgen begannen
Kampfhubschrauber und Jagdbomber, Angriffe gegen mögliche
Mudschahedin-Stellungen zu fliegen. Dies alles war eine
gewohnte Routine für die Kabuler, die Sowjets und uns.
Unser wahrscheinlich dramatischster Erfolg wurde auf einem
Videofilm, der vom Dach der Britischen Botschaft gedreht wurde,
festgehalten. Dieser Angriff richtete sich gegen das
Munitionslager in der Garniso Kharga in den westlichen Außenbezirken
der Stadt. Dieses Depot hatte die vermutlich größten
Lagerkapazitäten in Afghanistan, mit bis zu 40.000 Tonnen
dieser Munition, darunter die gesamten Reserven der
Boden-Luft-Raketen. Einige Kommandeure der Mudschahedin wurden
von mir persönlich instruiert, dieses Ziel anzugreifen, und
am 27 August erhellte ein spektakulärer Feuerball, der 300 m
in die Luft stieg, die Nacht. Unzählige Soldaten
der Afghanischen Armee wurden getötet oder verletzt.
Mehrere Kommandeure der Mudschahedin versuchten, sich den
Triumph auf ihre Fahnen zu schreiben. Deshalb führte ich eine
Untersuchung, um herauszufinden, wem der Erfolg zuzuschreiben
war. Ich überprüfte alle Berichte, alle Zeiten, alle
Stellungen und die Fähigkeiten der Kommandeure, dieses Ziel
anzugreifen, bevor ich schloß, daß es entweder ein
Kommandeur von Khalis oder Sayafs Partei war.
Da wir keine Möglichkeit zur Abwehr der Kampfhubschrauber
hatten, mußten wir unsere Raketenangriffe während der Nacht
durchführen. Dies bedeutete, daß wir während der Nacht in
Stellung gehen, feuern und uns in der Nacht zurückziehen mußten,
bevor am Morgen die unvermeidliche Antwort der Sowjets aus der
Luft kam. Durch die wachsende Zahl von Verteidigungsstellungen
und dem sich ausdehnenden Verteidigungsring um Kabul war es
stets äußerst riskant, zwischen ihnen durchzukommen, um in
Schußweite zu gelangen, besonders mit der Zahl Männer und
Maultiere, die für einen großen Schlag benötigt wurden. Ich
wollte in der Lage sein, die Stadt bei Tag und Nacht zu
treffen, es dauerte jedoch noch bis zum Jahre 1986, bevor wir
derartiges durchführen konnten.
Wir probierten verschiedene Methoden aus. Eine Gruppe von
sechs Mann. von denen jeder eine Rakete trug, infiltrierte in
eine Feuerstcllung in der Dunkelheit, brachte die Raketen auf
improvisierten Zweibeinen aus Stein in Feuerstellung und
zundete einen elektrischen Verzögerungszünder. Die Gruppe
zog sich danach während der Nacht zurück, sechs bis acht
Stunden später zündeten die Raketen und flogen in Richtung
Ziel. Wenn dies zahllose Gruppen aus unterschiedlichen
Richtungen unter unterschiedlichen Kommandeuren mit
verschiedenen Verzögerungszeiten ausführen würden, dann
konnte Kabul zu j eder Zeit, Tag oder Nacht, unter Beschuß
liegen. Wir versuchten, nach dieser Methode zu handeln, jedoch
konnte die CIA unsere Anforderungen nach dem speziellen Zünder
nach einiger Zeit nicht mehr erfüllen.
General Akhtar war völlig besessen in bezug auf Kabul. Er
sagte, daß die Angriffe auf Kabul Priorität vor allem
anderen hatten. Wenn ein Kommandeur es schaffte, dem General
klar zu machen, daß er schwere Waffen benötigte, um die
Stadt zu treffen, bekam er diese Waffen meist auch, selbst
wenn ich dagegen war. Der Druck auf die Hauptstadt war das
fundamentale Thema unserer Strategie. Wenn Kabul fiel, hatten
wir den Krieg gewonnen - so einfach war das.
Aufgrund der Bedeutung Kabuls wurde ein Großteil der
pakistanischen Ausbilder und Berater gegen Kabul eingesetzt.
Wie ich bereits vorher angedeutet habe, war ich nicht
besonders glücklich darüber, daß pakistanische Soldaten
nach Afghanistan gingen. Nachdem General Akhtar mich
instruierte, den Druck auf die Stadt 1984 zu vergrößern,
setzte ich sie dennoch so oft wie möglich ein. Von den elf
Ausbildungsteams, die sich in Afghanistan befanden, wurden
sieben gegen Kabul eingesetzt. Die von ihnen geführten
Angriffe fanden meist zwischen April und November statt und
dauerten oft bis zu sechs Wochen.
Ich suchte die Ziele mit Sorgfalt aus. Es waren primär
sowjetische Einrichtungen, weil ein erfolgreicher Angriff auf
diese Einrichtungen auch außerhalb Afghanistans durch die
ausländischen Botschaften und Medien bekannt wurde. Ursprünglich
wählte ich acht Ziele aus, wobei das letzte nicht während
des Winters angegriffen werden konnte. Die Ziele waren der
Flughafen von Kabul der Palast von Darulaman, die Garnison
Kharga, die sowjetische Botschaft. Mircrorayan, die Garnisonen
von Rishkoor und Chihilsatoon, wo sich auch die sowjetischen
Kasernen befanden und wo einiges Personal der Sowjets wohnte (Karte
12). Jedes Team hatte ebenso Ausweichziele. Das Team, das
Rishkoor als Ziel hatte, machte eine interessante und recht
bezeichnende Erfahrung mit einer gegnerischen Garnison, die
sich an einem der Posten auf ihrer Route befand. Der
Kommandeur wurde im luni für drei Wochen zur Ausbildung
beordert und am Mehrfachraketenwerfer ausgebildet. Der
pakistanische Major und seine zwei Unteroffiziere, die
Ausbilder im Lehrgang waren, begleiteten ihn dann im Einsatz.
Der Kommandeur und seine Männer wußten erst, daß es sich um
Militärberater handelte, als sie sich an einer pakistanischen
Grenze befanden, kurz bevor sie sich auf die afghanische Seite
begaben. Sie mußten nach Chakri, 35 km nordostwärts von
Kabul, wo der Kommandeur seinen Operationsstützpunkt hatte.
Die Reise nach Chakri über Ali Khel dauerte sieben Tage,
und so war es bereits Anfang August, bevor der Major und sein
Kommandeur mit der genauen Erkundung begannen, die wichtig
war, um die Route zu einer brauchbaren Feuerstellung zu finden.
Die drei Pakistanis, der Kommandeur und eine Eskorte von sechs
Mudschahedin benötigten zwei Tage und eine Nacht für ihren
Aufklärungsauftrag. Der Kommandeur, der das Gebiet sehr gut
kannte, erklärte, daß zwei Feldposten, die einen Teil eines
äußeren Verteidigungsringes bildeten, umgangen werden mußten,damit
sie in Schußweite kommen konnten.
Wieder im Stützpunkt wurden die Details für den Plan
zusammengesetzt. Der Kommandeur kam mit 50 Mudschahedin vom
Lehrgang zurück. Alle waren am Mehrfachraketenwerfer
ausgebildet worden, so daß sie die Bedienungsmannschaft, die
Sicherungsgruppe und die Bewachung für die Maultiere stellen
konnten. Weitere 50 Soldaten wurden als Eskorte benötigt und
um die zwei 82 mm Granatwerfer und drei Maschinengewehre zu
bedienen. Zusammen war das eine Einheit von 100 Mudschahedin
mit 25 Maultieren. Sie wollten einen großangelegten
Raketenangriff durchführen und entschieden, 60 Raketen
mitzunehmen.
Der pakistanische Major glaubte, daß die Sicherheit nicht
gewährleistet sei, als sie den Logar-Fluß überquerten, weil
dieses Gebiet sehr dicht besiedelt war. Jedoch kannte der
Kommandeur die Bevöikerung sehr gut und glaubte daher, daß
sie ungehindert passieren konnten. Es schien keine Antwort
darauf zu geben, wie man wenigstens einen der drei bewaffneten
Posten passieren sollte, außer in einer langen und möglicherweise
lauten Kolonne. Die Lösung des Kommandeurs war, einen Melder
direkt zum gegnerischen Posten zu schicken damit dieser ein
sicheres Passieren ermöglichte, da sonst die Gesamtstellung
zerstört werden würde. Mein Ausbilderteam hielt dieses
Vorgehen für unorthodox und war skeptisch, als der Melder zurückkam
und sagte, daß sie in drei Nächten wieder kommen sollten,
weil der afghanische Zugführer seinen sowjetischen
Militarberater befragen müßte.
Beim nächsten Treffen sagte der afghanische Offizier, daß
er nur mit großen Schwierigkeiten den Berater davon
uberzeugen konnte die Mudschahedin durchzulassen, mit der
Bedingung, daß während des Raketenangriffes die Stellung das
Feuer eröffnen könnte, aber in die falsche Richtung. Wenn
sich dann die Mudschahedin zurück
gezogen hätten, würde die Garnison das Feuer um die
eigentliche Stellung herum eröffnen. Der
Mudschahedinkommandeur war sehr befriedigt über dieses
Arrangement, aber natürlich war das pakistanische Berater-Team
alles andere als erfreut uber dieses Lösung. Die Entscheidung
lag jedoch bei dem Kommandeur und so mußten die Pakistanis
sich fügen, ob sie wollten oder nicht. Der Major verlangte,
mit den Mörsern und den Maschinengewehren in Stellung zu
gehen, falls die Afghanen im Feldposten ein doppeltes Spiel
trieben.
Am Nachmittag wurde in Kakri gestartet und nach schnellem
Marsch durch die Nacht wurde das Versteck zwei Stunden vor der
Morgendämmerung erreicht. Während des Tages blieben die
Mudschahedin unter ihren Decken zwischen den Felsen im
Versteck, aus dem sie das Tal von Logar übersehen konnten.
Sofort nach Einhruch der Dämmerung verließen sie ihr
Versteck zum neun Kilometer langen Marsch in die Feuerstellung.
Auf einer Fußgängerbrücke überquerten sie den Fluß und
die Bewegung wurde nur durch ein paar bellende Hunde gestört.
Gegen 22 30 Uhr befand sich die kleine Streitmacht in der Lücke
zwischen zwei afghanischen Feldposten. In einer Entfernung von
600 Metern ließ der Major die Granatwerfer und
Maschinengewehre in Stellung an einer Stelle gehen, von der
die Posten beschossen werden konnten. Ein pakistanischer
Unteroffizier blieb bei dieser Gruppe.
Der Rest der Einheit bewegte sich zusammen mit den
Maultieren in Schützenreihe in. Richtung der gegnerischen
Stellung. Dies war der Moment der Wahrheit. Wie vorsichtig sie
auch waren, es war nahezu unmöglich, Geräusche eines
Maultieres, das gegen einen Stein tritt, oder eines Mannes,
dessen Waffe gegen eine Rakete oder den Teil eines
Mehrfachraketenwerfers schlägt, zu verhindern. Die Kolonne
marschierte in 20 Meter Entfernung an der afghanischen
Stellung vorbei, wobei der Alarmposten, der in seinem
Kampfstand stand, klar sichtbar war. Es gab keine Parole, kein
Kennwort, die Mudschahedin passierten die Stellung wie Geister.
Gegen Mitternacht waren die Mudschahedin in Stellung
gegangen und der Mehrfachraketenwerfer war feuerbereit.
"Allah u Akbar. Mordabad Shuravi (Gott ist groß, tot den
Sowjets). Mit diesem Ruf wurde das Feuer eröffnet. In weniger
als einer halben Stunde waren alle 60 Raketen verschossen und
der Komplex von Rishkoor brannte. Während der
Mehrfachraketenwerfer feuerte, begannen die Afghanen in der
Stellung zu schießen. Sie gingen sehr großzügig mit ihrer
Munition um sie schossen nicht in Richtung der Mudschahedin.
Der Rückmarsch verlief sehr rasch und es wurde kein
Versuch gemacht, leise zu sein weil die Geschwindigkeit
wichtiger war, um den größtmöglichen Nutzen aus den
verbleibenden fünf Stunden Dunkelheit zu ziehen. Das
Marschieren fiel nun leichter, weil die 60 Raketen verschossen
waren und so bewegte sich die Kolonne sehr rasch an den
afghanischen Posten vorbei. Die Afghanen unterbrachen ihr
Feuer nachdem die Mudschahedin ihre Stellung passiert hatten,
eröffneten sie das Feuer erneut, wobei sie
Leuchtspurgeschosse entlang des Weges bis zur Feuerstellung
feuerten. Sie hatten ihr Abkommen eingehalten. Später, als
die Pakistanis wieder in Chakri waren, bestätigte Radio
Kabul, daß Rishkoor getroffen worden war und daß es mehrere
Stunden gedauert hatte, um die Feuer unter Kontrolle zu
bekommen. Wie die anderen pakistanischen Teams wurde auch der
Major und seine zwei Unteroffiziere später vom Präsidenten
beglückwünscht und dekoriert.
Kabul wurde durch eine enorme Konzentration von
Soldaten, Geschützen und Flugzeugen sehr gut verteidigt. Im
Frühjahr 1985 umgaben nicht weniger als drei
Verteidigungsringe die Stadt (Karte 13). Wir konnten his 1986
keine spontanen Angriffe bei Tag durchführen. Auch die Einführung
der Stinger-Raketen Ende 1986 und Anfang 1987 konnte nicht die
komplette sowjetische Luftherrschaft über der Stadt
unterbrechem Wir mußten die Lufthoheit jedoch unterbrechen,
um die Stadt zu isolieren. Wir hatten nicht nur das Problem,
daß unsere Angriffe auf die Nacht beschränkt waren, sie mußten
außerdem noch während des Winters auf nahezu Null reduziert
werden. Diese Ruhepausen bei Tag und während des Winters
erlaubten es dem Gegner, sich zu erholen, sich neu zu
organisieren und verlorenen Boden wiederzugewinnen.
Es war während der Monate von Januar bis zum März, in
denen die Sowjets ihre Verteidigungsstellungen ausbauten, ihre
Stellungen erweiterten und Angriffe auf die Stützpunkte und
Waffendepots der Mudschahedin in den Bergen rund um Kabul
durchführten.
Weil die meisten Mudschahedin während des Winters nach
Hause gingen, wiederholte sich dies Jahr für Jahr. Auf Karte
13 habe ich die Hauptoperationsstützpunkte der Guerillas
innerhalb der Kampfentfernung nach Kabul dargestellt. Sie
konnten ihre Feuerstellungen in zwei Nachtmärschen erreichen,
schneller war zu gefährlich. Mit Ausnahme von Koh-i-Safi hat
jeder Stützpunkt mehrere Kommandeure der verschiedenen
Parteien, die jeweils zwischen l00 und 1.000 Mudschahedin
befehligten. Das anscheinend nicht zu bewältigende Problem
war, daß im Winter bei hohem Schnee die Versorgungskolonnen
die Pässe nicht überwinden konnten. Es mußte weit
vorausgedacht werden, und erhebliche logistische Anstrengungen
waren erforderlich, um im voraus Versorgungsdepots in den
Basen anzulegen, die bis zum April reichten. Wir unternahmen
sehr konzentrierte Bemühungen in diesem Bereich, jedoch die
unvorhersehbaren Prohleme heim Waffennachschub, über die wir
keine Kontrolle hatten, störten uns oft dabei. Aber dies war
nicht die einzige Schwierigkeit.
Wie ich bereits vorher erklärt habe, wurde von den
Mudschahedin nicht erwartet, daß sie unbegrenzt lange auf dem
Gefechtsfeld hlieben, ohne eine Ruhepause zu haben. Ein paar
Monate Einsatz im Jihad und danach zurück nach l lause, um
nach ihren Familien zu sehen oder um Geld zu verdienen, das
war die Norm. Verbunden mit den einfachen Bedingungen in Höhlen
oder Zelten mit nur wenig Feuerholz, gekürzten Rationen, ohne
ordentliche Bekleidung war es klar, daß die Kriegsführung im
Winter nicht besonders beliebt war. Die meisten Afghanen
halten eine Art Winterschlaf, egal ob es Soldaten oder
Zivilisten sind. Die Mudschahedin waren auch nur Menschen, und
es war zuviel verlangt zu erwarten, daß sie sich mit offenen
Sandalen durch den Schnee bewegten oder nur in Decken gehüllt
dort schliefen. Um in einer Decke warm zu bleiben, muß man
sie mit den Armen um den Körper wiekeln, wobei es nicht mehr
möglich ist, mit einem Gewehr zu schiessen, einen
Granatwerfer zu laden oder die erforderliche Bewegungsfreiheit
zum Kampf zu haben. Wir mußten ihnen also ordentliche
Winterbekleidung und Ausrüstung, Jacken. Schneestiefel und
ordentliche Winterzelte geben. Die Tatsache. daß wir nicht in
der Lage waren, diese Gegenstände von 1979 bis 1985, zu
liefern, war ein beschämender Mangel unserer Bemühungen.
Während des Jahres 1984 hatte ich zahllose Diskussionen
mit meinem Stab und den Kommandeuren, wie die Angriffe auch im
Winter auf Kabul geführt werden konnten. Am Ende haperte es
am Feld. Hatten wir genug Geld, um die zusätzlichen
Transportkosten für die Aufstockung der Depots zu sorgen oder
um Winterbekleidung zu kaufen? Bedauerlicherweise war die
Antwort nein. Es wurde entschieden, daß wir versuchten,
verschiedene Kommandeure für verschiedene Sektoren zwei
Monate lang in den Einsatz zu schicken. Ihre Aufgabe war es,
regelmäßig nächtliche Raketenangriffe den Winter hindurch
durchzuführen. Wir hielten das für machbar, wenn die
Kommandeure mindestens hundert bis zweihundert Mudschahedin im
Feld hätten. Circa 30 Kommandeure waren in diesem Plan mit
einbezogen, und wir boten als Ansporn zusätzliche
Mehrfachraketenwerfer an.
Während der ersten Wochen verlief alles sehr gut. Nachdem
es jedoch im Januar schwere Schneefälle gab, wurden
Bewegungen in Richtung Kabul immer schwieriger und teurer.
Einige Kommandeure begannen, sich zurückzuziehen, weil
Nahrung, Bekleidung und Ausrüstung, um den Frostbedingungen
zu wiederstehen, fehlte. Dies führte zu einem Vakuum rund um
Kabul, woraus die Sowj ets sehr schnell ihren Vorteil zogen.
Sie führten Offensiven gegen Chakri und Paghman durch, wo der
Widerstand sehr gering war. Dadurch verloren wir den Boden,
den wir im Sommer gewonnen hatten. Der Gegner baute daraufhin
eine weitere Serie von Stellungen und Feldposten auf, um seine
Geländegewinne zu festigen und diese Feldposten mit Minen und
Stacheldraht zu schützen. Wir wurden zurückgeschlagen, die
Entfernung zu unseren Zielen in der Stadt wurde vergrößert,
unser Griff um die Stadt gelockert.
1985 ging Chakri vollständig verloren. 1986 wurde Paghman
erobert und nur Koh-iSafi blieb unangetastet. Erst nach Einführung
der Stinger konnten wir im Jahre 1987 etwas des verlorenen
Bodens im Bereich von Paghman zurückgewinnen. Bis dahin
wiederholte sich das unvermeidliche Muster jeden Winter. Eine
Serie erfolgreicher Angriffe bis zum Dezember, ein Winterrückzug,
der Vorstoß der Sowjets, die Befestigung ihrer Geländegewinne,
was dazu führte, daß wir weitreichendere WaffenSysteme benötigten.
Dadurch wurde unsere Möglichkeit, Kabul einzunehmen, immer
geringer.
Ich glaube, wenn wir von Anfang an genug Geld für
zweckdienliche Bekleidung abgezweigt hätten, wäre es uns möglich
gewesen, die Kämpfe über das ganze Jahr zu führen. Ich
versuchte tunlichst, 1985 nicht die Fehler der vorangegangenen
Jahre zu wiederholen und trieb meine Bemühungen dahingehend
voran, 5000 Sätze Winterschutzbekleidung von General Akhtar
zu bekommen. Aber er hatte kein Geld. Das Beste, was er
erreichen konnte, waren 1.000 Sätze Winterschutzbekleidung,
die, um Geld zu sparen, von pakistanischen Herstellern gekauft
wurden. Jedoch trotz Bemühungen des ISI hielten diese ihre
Versprechung nicht ein.
Einige Kommandeure versuchten, während des Winters ca. 30
- 40 Mann gefechtsbereit zu halten, mit Personalersatz alle
zwei Monate, was jedoch nur selten effektiv war. Das Leben in
einem Zelt auf den Grundresten eines Hauses bei Temperaturen
von minus 15 - 20 Grad, komplett isoliert mit einer mageren
Brotration und die meiste Zeit ohne Kontakt zur Bevölkerung,
stellte schon gewisse Anforderungen an den Mudschahedin. Diese
Männer mußten ständig alarmbereit sein, mußten Wach- und
Postendienste versehen, Feuerholz sammeln oder Gefechtstätigkeiten
wie Raketenangriffe durchführen. Wenn sie Glück hatten,
bekamen sie etwas Mehl oder Tee, jedoch keinen Zucker. Der Tee
wurde oft zu den Restemahlzeiten getrunken, die anders kaum
genießbar waren. Ohne warme Bekleidung oder Winterstiefel war
die Schlacht gegen die Kälte nicht erfolgreich. Die
Mudschahedin unter diesen Bedingungen verloren zwischen l0 und
12,5 Kilo Gewicht, kamen hager zurück, ihre Gesichter
eingefallen, gealtert und geschwärzt vom Feuerrauch. Der
Winter war ein härterer Gegner als die Sowjets. Die
Operationen während des Jahres 1985 zeigten, daß die
Mudschahedin die Oberhand gewinnen könnten. Wenn die
Mudschahedin die Stinger eher bekommen hätten, hätten sie
mit Sicherheit den Krieg viel früher gewonnen. Wir strengten
uns an, den Kampf fortzusetzen und verloren doch in Kabul,
unserem Hauptziel, unseren Schwung. Der CIA versorgte mich mit
einer Serie ausgezeichneter Satellitenfotos von dutzenden
gegnerischen Stellungen innerhalb eines 20 Kilometer Radius um
Kabul. Aufgrund dieser Fotos plante ich erneut.
Zu diesem Zeitpunkt kam General Akhtar mit der Idee auf
mich zu, einen konzentrierten Angriff auf Kabul zu führen, um
einen Teil Kabuls zu erobern und ihn für 36 Stunden zu halten.
Wenn dies erreicht werden könnte, hätte das einen enormen
Effekt auf die Moral der Mudschahedin. Ich erbat mir Zeit,
diese Möglichkeit zu über prüfen, doch der General hatte
bereits Hekmatyar und Sayaf informiert, die beide sehr
enthusiastisch reagierten und erwarteten, daß sie weitere
schwere Waffen bekämen. Ich bekam den Befehl, sofort die Pläne
im Detail zu diskutieren.
Die Resultate meiner Gespräche und Studien ergaben, daß
eine derartige Operation, die unzweifelhaft eine
Gemeinschaftsoperation wäre, mindestens zwei Parteien zur
Durchführung benötigte. Weil eine effektive Flugabwehrwaffe
fehlte, konnte der Angriff nur während der Nacht durchgeführt
werden. Wir würden meherere simultane Ablenkungsangriffe auf
Kabul, Bagram und Jalalabad durchführen müssen. Schließlich
und letztendlich war die Geheimhaltung von entscheidender
Bedeutung - es ist kaum sicherzustellen, daß ohne das Wissen
der Gegenseite 5000 Mudschahedin um Kabul zusammengezogen
werden können. Dies war die Anzahl, die die Führer als das
Minimum betrachteten.
Statt Kabul 36 Stunden lang zu halten, was mindestens einen
ganzen Tag Kampf bedeutet hätte, hielten wir es für hesser,
den Einsatz auf eine Vielzahl kleinerer Angriffe aus
verschiedenen Richtungen zu begrenzen. Dies sollten Angriffe
sein, die nur während der Nacht durchgeführt wurden, wobei
die Mudschahedin noch während der Dunkelheit exfiltrierten.
Keiner der Parteiführer war darauf vorbereitet, einer
gemeinsamen Operation zuzustimmen, und auch unser
Alternativplan fand nicht ihre Zustimmung, weil sie dadurch
nicht, aus ihrem Blickwinkel heraus, mehr schwere Waffen
bekommen würden.
Ich war niemals in der Lage, gemeinsame Angriffe auf Kabul
zu koordinieren, obwohl ich beim Gegner wohl diesen Eindruck
erweckte, weil ich zahllose Kommandeure verschiedene Angriffe
aus verschiedenen Richtungen gleichzeitig ausführen ließ.
Kabul war der Schlüssel zu Afghanistan; darüber habe ich
keine Zweifel. Es hätte innerhalb von Wochen nach dem
sowjetischen Rückzug im Jahre 1989 fallen sollen, jedoch gehört
die Geschichte, warum dieser Erfolg nicht eintrat, in ein
anderes Kapitel. |