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"Es ist richtig,
belehrt zu werden, sogar durch einen Gegner"
Ovid, 'Metamorphose IV'
Dank der CIA und ihrer Spionagesatelliten über Afghanistan
waren die Wände meines Operationszentrums mit excellenten
Karten bedeckt. Auf diesen kennzeichneten zahlreiche rote
Symbole und Stecknadeln die bekannten Standort dutzender
Einheiten von Heer und Luftwaffe; sowohl sowjetische als auch
afghanische Einheiten. Bevor ich irgendwelche Planungen zum
Angriff auf den Gegner traf, mußte ich wissen, wo sich der
Gegner befand. Die Karte 3 zeigt, was an sowjetischen
Einheiten bis zur Regimentsebene und auf afghanischer Seite
bis zur Divisionsebene bekannt war. Alles in allem war es sehr
imposant, es befanden sich rund 85.000 Sowjetsoldaten in
Afghanistan, sowie 30.000 weitere nördlich des Amu in der
Sowjetunion. Truppenteile dieser Verbände setzen zu Einsätzen
über den Fluß, obwohl die meisten von ihnen Verwaltungsoder
Ausbildungsaufgaben hatten.
Die sowjetische Befehlskette führte bis nach Moskau.
Politische Entscheidungen zur Kriegsführung wurden im Kreml
getroffen. Der sowjetische Generalstab beauftragte Marschall
Sergei Sokolow mit der Invasion. Dieser verlegte seinen Stab
zum Hauptquartier der Südfront. Bei Taschkent war der Stab
des Militärbezirks Turkmenistan unter der Führung von
Generaloberst Juri Masimow. Es war interessant zu beobachten,
daß seine Leistungen als Sowjetkommandeur des afghanischen
Krieges überall Beachtung fanden. Im Jahre 1982 wurde er zum
Generaloberst befördert, was ihn gleichzeitig im Alter von 58
- zwei Jahre früher als üblich - zu einem Held der
Sowjetunion machte. Thm unterstand das rückwärtige
Hauptquartier der 40. Armee bei Termez an der afghanischen
Grenze. Seine vorderen Führungsteile befanden sich unter der
Führung von Generalleutnant V.M. Michailow im Lager
Tapa-Tajbeg in Kabul. Sein Kommando hatte den irreführenden
Titel 'Begrenztes Kontingent der Sowjetischen Streitkräfte in
Afghanistan'. Neben ihm arbeitete. jedoch ohne eigene Truppen,
der sowjetische Militärberater des afghanischen Regimes.
Generalleutnant Alexander Majorow.
Zu diesem Zeitpunkt bemerkte ich etwas sehr Merkwürdiges,
denn die sowjetische Truppenstärke hatte seit 1979 nicht
stark zugenommen. Es gab keinen Beweis dafür, daß sie immer
mehr Soldaten in das bodenlose Faß warfen, wie es die
Amerikaner in Vietnam taten. Wenn diese Annahme richtig war, wäre
dies ein sehr wichtiger Faktor für den Erfolg zukünftiger
Operationen der Mudschahedin.
Als die Sowjets in Afghanistan einmarschierten, rechneten
sie nicht mit starkem Widerstand. Sie verlegten damals nur
vier Mot-Schützendivisionen, sowie eineinhalb Fallschirmjägerdivisionen.
Bei den Mot-Schützendivisionen handelte es sich um Kaderverbände,
die mit Reservisten aufgefüllt worden waren. Sie bestanden
aus Soldaten, die nur schlecht für jede Art von Krieg
ausgebildet waren, besonders nicht für einen Krieg gegen
Guerillaeinheiten, und sie gingen mit veralteten Waffen und
Ausrüstung ins Gefecht. Dies bildete einen starken Kontrast
zur Besetzung der Tschechoslowakei im Jahre 1968, wo 250.000
Soldaten in zwanzig Divisionen einmarschierten. Wir schlossen
daraus, daß es die ursprüngliche Absicht war, Karmals
Marionettenregierung in Kabul den Rücken zu stärken. Ihre Präsenz
sollte der Afghanischen Armee das nötige Selbstvertrauen
geben, damit diese ins Land hinausginge und den Widerstand
auslösche. Darin wurden die Sowjets jedoch enttäuscht.
Die Karte zeigt, daß sich die Stärke der Kampftruppen
seit dem Jahre 1979 nicht signifikant geändert hat. Es gab
nur drei Mot-Schützendivisionen, eine davon in Kabul (die
108.), eine in Kunduz (die 201.) und eine in Shindand (die 5.
Gardedivision). Eine Fallschirmjägerdivision (die 103.
Gardedivision) war ebenfalls in Kabul stationiert. Zusätzlich
dazu gab es noch unabhängige Brigaden und Regimenter an
strategisch wichtigen Punkten oder Städten. Es gab eine Mot-Schützenbrigade
in Jalalabad (die 66. ), eine weitere in Kandahar (die 70.),
sowie einc weitere Fallschirmjägerbrigade in Gardez (die 56.
). Selbständige Mot-Schützenregimenter befanden sich in
Ghazini (das 191.), Faizabad (das X66.). Bagram (das 181.) und
in Mazar-i-Sharif (das 187. ). Außerdem befand sich ein
selbständiges Gardeluftsturmregiment bei Bagram (das 345.)
als mobile Reserve. Die 346. Mot-Schützendivision bei Kushka
und die 45. Mot-Schutzendivision bei Termez waren teilweise
Ausbildungseinheiten, ebenso die 280. Mot-Schützendivision im
Westen nahe der iranischen Grenze bei Ashkabad. Die 66. Mot-Schützendivision
bei Samakand stellte zeitweise Einheiten für Operationen südlich
des Amu-Flusses bereit.
Ich wußte, daß eine Mot-Schützendivision eine Stärke
von ca. I l .()0() Soldaten hatte, eine Fallschirmjägerdivision
7.000 Mann, wohingegen die Stärke von Brigaden und
Regimentern um 2.000 bis 2.600 Mann lagen. Alles in allem wären
dies um die 60.000 Mot-Schützen oder Fallschirmjäger. Die
verbleibenden 25.000 waren Artilleristen, Pioniere, Fernmelder,
Sicherungseinheiten und Luftwaffenpersonal.
Mit meinem Stab diskutierte ich den Sinn der sowjetischen
Aufstellung. Zunächst ficl ins Auge, daß rund 50 % ihrer
Truppen um oder in Kabul stationiert waren. Es waren dort
nicht weniger als zwei Divisionen, sowie der Großteil ihrer
Artillerie, ihrer Vcrsorgungseinheitcn, der Fernmelde- und
Pioniertruppen, zusammen mit weiteren Einheiten zur Versorgung
und Stäben. Die Sowjets maßen Kabul große Bedeutung als
Regierungssitz bei, wo der Krieg geführt wurde. Kabul hatte
weitcrhin einen Flughafen. Nur 50 Kilometer nördlich von
Kabul gab es cine weitere große sowjetische
Truppcnkonzentration bei Bagram. Auf der Luftwaffenbasis lagen
ein selbständiges Regiment, eine Brigade der in Kabul
stationierten 108. Mot- Schützendivision und das unabhängige
Garde-Luftsturmregiment, sowie starke Fliegerkräfte mit
Kampfflugzeugen und Hubschraubern. Aus verständlichen Gründen
war Bagram der wichtigste Luftwaffenstützpunkt.
Eine weitere Division lag bei Kunduz im Nordosten und zwci
weitere selbständige Brigaden bei Gardcz und Jalalabad, die
jeweils an den Hauptstraßen nach Pakistan stationiert waren.
Die Sowjets bezcichneten die Hauptstadt und den ostwärtigen
Teil des Landes ganz deutlich als kritische Gebiete. Im Herzen
Afghanistans, den unzugänglichen Bergen des Hazarajat, die
nahezu die Hälfte des Landes ausmachten, gab es keine
sowjetischen Einheiten. 600 Kilometer weiter westlich schützte
die 5. Garde-Mot-Schützendivision die zweitwichtigste
Luftwaffenbasis, Shindand. Im Süden befand sich eine einzelne
selbständige Mot-Schützenbrigade in der Garnison Kandahar
auf der anderen Seite des Passes nach Quetta. Die Sowjets
vermuteten das Zentrum der gegnerischen Aktivitäten im Osten
in Richtung Pakistan, weil Pakistan den Flüchtlingen und
Mudschahedin Hilfe gewährte. Sie betrachteten den Raum Kabul-Bagram
als Schlüsselgebiet und die mcisten ihrer großen Einheiten
schützten die Zufahrtsstraßen zu diesem Bereich oder die
Salang-Autobahn. die die l.ebensader zur Sowjctunion
darstelltc.
Das Hauptinteresse der Sowjets lag im Norden. Nicht nur,
weil dort die Basen aller Operationen nördlich des Amu waren,
sondern auch, wcil Nordafghanistan über viele Jahre hinweg
von großcr wirtschaftlichcr Bedeutung für die Sowjetunion
war. Im Jahre 1960 cntdeckte die Sowjetunion mehrcrc
Erdgasfelder in der Nähe von Shibarghan in der nördlichen
Provinz von Josjan. L)icse Felder hatten cinc geschätzte
Rcservc von weit über 500 Milliarden m3 Gas. Im Jahre 1968
wurde eine 15 Kilometer lange Pipeline in Betrieb genommcn.
durch die das Gas in die Sowjetunion transportiert wurde. Später
wurde 200 Kilometer weiter westlich bei Sar-i-Pul und Ali Gul
Rohöl entdeckt. Kupfer, Eisen und Gold wurden zusammen mit
anderen Bodenschätzen im Norden und Osten Afghanistans
entdeckt, die sich in der Nähe der Städte Kabul, Kunduz und
Mazar-i-Sharif befanden. Speziell diese Gebicte wurden mit
sowjetischen Truppen besetzt.
Ein weiterer Grund für meine Beurteilung, daß die nördlichen
Provinzen für die Sowjetunion wichtig waren, war die
Nachbarschaft zum sowjetischen Teil Zentralasiens. Die
Menschen auf beiden Seiten waren Usbeken, Tadschiken und
Turkmenen. Sie hatten eine gemeinsame ethnische Identität und
litten unter den Versuchen der Kommunisten, die religiösen
Aktivitäten zu unterbinden.
Meine Karte zeigte ebenso, daß die Afghanische Armee primär
im Osten und im Norden dort eingesetzt wurde, wo auch die
Sowjets waren. mit der Ausnahme einer einzigen Division, die
bei Kandahar eingesetzt wurde, und einer weiteren in Herat im
fernen Westen.
Durch die Kenntnis der sowjetischen und afghanischen
Truppenstationierungen war ich in der Lage, verschiedcne Schlußfolgerungen
zu ziehen, auf denen ich meine eigenen stratcgischen Absichtcn
aufbauen konnte. In erster Linie waren die Sowjets damit beschäftigt,
große Militärbasen, strategische Städte und die
Verbindungsstraßen zwischcn ihnen zu haltcn, was das Ganze
mehr zu einer statischen Verteidigung machte. Es sah nicht so
aus. als ob sie große Landstriche besetzen wollten. Zweitens
schenkten sie dem Bereich Kabul-Bagram große Bcachtung und
richteten alle Aktivitäten auf diese Region, aus. Drittens
waren die Provinzen im Norden des Hindukusch kritisch für die
sowjetische Strategie. weil dort die Salang-Autobahn verlief,
weil Gas, Ol und Bodenschätze dort lagen und dort dieselben
Menschen wie auf der anderen Seite der Grenze lebten. Als
viertes schlußfolgerte ich. daß der Westen und Südwesten
Afghanistans für die Sowjets keine Rolle spielten. Mit
Ausnahme dcs Schutzes des Luftwaffenstützpunktcs Shindand.
der direkt den Arabischen Golf bedrohte, wurde diescr Teil des
Landes möglicherweise nur als Pufferzone zwischen ihnen und
dem Iran betrachtet. Vermutlich würde es ihnen schon
ausreichen. daß die Verbindung zwischen Kushka über Herat,
wo die 17. Afghanische Division stationiert war. offengehalten
wurde.
Die Sowjetischen Streitkräfte waren bereits vier Jahre in
Afghanistan und es gah keinen Beweis dafür, daß sie
versuchten, die Zahl der eingesetzten Soldaten zu vcrgrößern.
Unabhängig von der Tatsache, daß sie die Mudschahedin unter-
und die Kapazitäten der Afghanischen Armee überschätzten,
verbesserten sie ihre Taktiken. rationalisiertcn ihre Streitkräfte,
entwickelten den Einsatz der Luftstreitkräfte, unterstützten
ihrc afghanischen Verbündeten und führten Waffensvsteme ein.
Sie versuchten also cher, die Qualität ihrer Truppen zu
verbessern, als ihre Quantität zu erhöhen. Ich fühltc, daß
ihnen klar wurde, daß, wenn sie das gesamte Land einnehmen
wollten, sie ihre Strcitkräfte in Afghanistan verdreifachen müßten.
Im Jahre 1964 hatten die USA 16.000 Soldaten in Vietnam,
innerhalb von fünf Jahren stieg diese Zahl auf über 500.000
Soldaten, ohne daß man den Gegner bezwingen konnte. Die
Sowjets folgten nicht dem amerikanischen Beispiel. Ich vermute
jedoch, daß die Gründe eher politischer und ökonomischer,
als militärischer Natur waren.
International wurden die Sowjets permament für ihrc
lnvasion Afghanistans verurteilt. Die Sowjetunion versuchte ständig,
die Beziehungen zum Westen und zu China zu verbessern, deshalb
würde die Verdreifachung der lruppenstärke in Afghanistan
den öffentlichen Aufschrei gegen die Sowjetunion provozieren
und zum Umgekehrten, nämlich zur Unterstützung der
Mudschahedin führen. Ökonomisch war dicser Krieg ein
gigantisches Loch, Gorbatschow bezeichnete diesen Krieg später
als eine 'blutende Wunde'. Die Sowjets mußten nicht nur ihre
eigenen Streitkräfte bezahlen, die ruinierte lokale
Wirtschaft mußte zusammen mit der Afghanischen Regierung und
der Afghanischen Armee ebenfalls bezahlt werden. Nachdem ihre
Strategie der verbrannten Erde wirkte und die Flüchtlinge
nach Kabul und in andere größere Städte kamen, mußten sie
für Tausende von Zivilisten Verpflegung zur Verfügung
stellen. Milliarden von Rubel wurden aus einer schon geschwächten
sowjetischen Wirtschaft entzogen. Es wurde geschätzt, daß für
Afghanistan und den Krieg ca. 20 Millionen DM pro Tag benötigt
wurden. Eine drastische Erhöhung der Stärke der
Besatzungstruppen würde Kosten verursachen, eine Erhöhung
der Truppen würde auch einen Ausbau der Versorgungslinie vom
Norden nach Kabul bedingen und dann wieder zu Angriffen durch
die Mudschahedin führen. Die Salang-Autobahn erfüllte diese
Erfordernisse nicht. All dies ermutigte mich, denn wenn sich
der Gegner exakt militärisch festlegte, dann wußte ich genau
wer mir gegenübcrstand; es war unwahrscheinlich, daß massive
Verstärkung herangeführt wurde, und daraus schloß ich, daß
die Sowjets keine verdeckten Trümpfe in ihrer Hand hatten.
Ich wußte bereits, daß es eine politische sowie eine
militärische Seite der sowjetischen Strategie gab. Der Kreml
sowie der sowjetische Generalstab wußten sehr wohl, daß ohne
Pakistan der Jihad zum Scheitern verurteilt war. Wenn Präsident
Zia auf Drängen von General Akhtar Pakistan den Mudschahedin
als Basis anbot, zwang er die Sowjets zu einem langwährenden
Guerillakrieg, auf den sie nicht vorbereitet waren. Wie reguläre
Armeen können auch Guerillas nicht ohne eine adäquate Basis
überleben, in die sie sich von Zeit zu Zeit zurückziehen können,
um dort auszuruhen und sich neu zu gliedern. Sie benötigen
Waffen und Ausrüstung, Nachschubgüter aller Art, Ausbildung
und Aufklärungsergebnisse. Dies alles bot Pakistan den
Mudschahedin.
Für die Sowjets war dies sehr frustrierend. Seit 1983 führten
sie einen sehr gut koordinierten Feldzug, um die Kosten
Pakistans bei Unterstützung der afghanischen
Widerstandsbewegung zu erhöhen. Ihr Ziel war es, durch
Tausende von Agenten und Informanten des KHAD, Präsident Zia
und seine Politik durch massive Subversion und Sabotage zu
unterminieren. Jede Bombe des KHAD in einem pakistanischen
Basar, jede Granate, die innerhalb Pakistans einschlug, jedes
sowjetische oder afghanische Flugzeug, welches pakistanischen
Luftraum verletzte, es gab Hunderte solcher Zwischenfällen,
jede Waffe, die illegal zu den Stämmen über die Grenzen
gebracht wurde und jeder neue Flüchtlingstrom zielte darauf
ab, die pakistanische Unterstützung für die Mudschahedin zu
reduzieren. Die Sowjets versuchten mit ihren Bemühungen,
Unruhen in Pakistan hervorzurufen. Die Agenten sollten den Haß
der Pakistanis auf die Flüchtlinge schüren, die in Lagern
von Chitral im Norden bis Quetta im Süden auf einer Strecke
von nahezu 2.000 Kilometer lebten.
Die Grenzgebiete Pakistans wuchsen zu einer hedeutenden
administrativen Basis für den Jihad. Die Mudschahedin
erhielten dort Waffen, konnten sich ausruhen und ihre Familien
in den Lagern unterbringen. Sie kamen dort hin, um sich
ausbilden zu lassen und um medizinische Behandlung zu bekommen.
Zu dieser Zeit konnten wir im ISI nicht abschätzen, auf welch
schmalem Grad sich Präsident Zia bewegte. Als Soldat konnte
ich nicht glauben, daß das Sowjetische Oberkommando nicht
genug Druck auf seine politischen Führer ausüben konnte, um
die Erlaubnis zum Angriff nach Pakistan hinein zu erhalten.
Auch die Amerikaner hatten den Vietnamkrieg nach Laos und
Kambodscha ausgedehnt, die als sichere Basen für den Vietcong
galten. Die Sowjetunition hielt sich vor einer ernsthaften
Eskalation zurück. Ich mußte nun sicherstellen, daß wir sie
nicht zu sehr provozierten. Ein Krieg mit den Sowjets hätte
das Ende Pakistans bedeutet und möglicherweise einen
Weltkrieg hervorgerufen. Diese Furcht kreiste während der
folgenden Jahre ständig in meinem Kopf.
Ein interessantes Beispiel eines derartigen Zwischenfalles,
der sehr schnell aus der Kontrolle geraten oder zu einer
internationalen Konfrontation führen kann, ereignete sich ein
Jahr nach meinem Dienstantritt. Es handelte sich dabei um
sowjetische Kriegsgefangene. Zu diesem Zeitpunkt waren ein
paar sowjetische Kriegsgefangene von den Parteien in
inoffiziellen Gefängnissen in den Außenbezirken von Peshawar
untergebracht. Bei diesem Zwischenfall hatte Rabbani 35
Kriegsgefangene, zusammen mit verschiedenen verdächtigen
KHAD-Agenten, in der Nähe seines Depots inhaftiert. Drei der
Sowjets waren seit zwei Jahren Kriegsgefangene und es sah so
aus, als ob sie den Islam akzeptierten - möglicherweise um
ihr Leben zu retten und deshalb wurden sie nicht besonders
bewacht. An einem Abend, als jeder mit Gebeten beschäftigt
war, überwältigten sie den einzigen Wachposten, nahmen seine
Waffe und versuchten, die Tür zur Waffenkammer aufzubrechen,
um an mehr Waffen zu gelangen. Nachdem sie auf das Dach des
Depots geklettert waren, verlangten sie, der Sowjetischen
Botschaft überstellt zu werden. Ihre Wächter stimmten dem
jedoch nicht zu. Die Sowjets verbrachten eine lange Nacht auf
dem Dach, umstellt von schwer bewaffneten Mudschahedin. Am
Morgen versuchte der militärische Repräsentant Rabbanis eine
Lösung zu finden; im Laufe des Gesprächs sahen jedoch die
Sowjets, wie sich einige Männer gedeckt annäherten. Die
Sowjets eröffneten das Feuer mit einem 60 mm Mörser, wobei
ein Mudschahedin getötet und andere verwundet wurrJen. Das
Gefecht war im Gange. Dann, ohne zu überlegen, feuerte ein
Mudschahedin eine RPG-7 in das Gebäude, genau in das
Munitionslager. Die Explosion erschütterte Peshawar: Raketen
und Flugkörper flogen in alle Richtungen, wobei die
sowjetischen Soldaten und die Agenten des KHAD getötet wurden.
Obwohl sich das Feuerwerk in der Nähe der Straße zwischen
Peshawar und Kohat ereignete, wurden glücklicherweise keine
Zivilisten verletzt. Die sowjetische Presse bekam Wind von den
Geschehnissen und beschrieb den Zwischenfall später als einen
heroischen letzten Akt gegen einen übermächtigen Feind,
wobei die Kriegsgefangenen scharenweise Gegner töteten, bevor
sie überwältigt wurden. Unsere Regierung war empört, weil
sie immer bestritten hatte, daß sich sowjetische Gefangene in
Pakistan befanden. Es wurde daraufhin befohlen, daß alle
Gefangenen in Afghanistan festzuhalten wären. Wir machten
eine Erfahrung auf Kosten eines wertvollen Waf fenlagers, und
das Wasser befand sich kurz vor dem Siedcpunkt'.
Mit Blick auf die Sowjets war das Jahr 1983 ein relativ
fricdliches Jahr. tis gab keine großen sowjetischen
Offensiven im Divisionsbereich, dic mit den Offensiven des
Vorjahres um Herat und in der Schlucht von Panjsher
vergleichbar waren Nichtsdestotrotz konnte ich eine Operation
eines sowjetischen Regimentes studieren was mir zeigte, wie
die Sowjets ihre Taktiken im Guerillakrieg änderten.
Am 26. November befuhren lange Marschkolonnen mit
gepanzerten Schützenpanzerwagen, Panzern, LKWs und Geschützen
nach Norden über die Salang-Autobahn aus dem Lager Khair
Khana in den Außenbezirken von Kabul (Karte 4). Sie gehörten
zum 180. Mot-Schützenregiment der 108. Mot-Schützendivision.
Zur Kolonne gehörten auch afghanische Einheiten der Armee und
Kampfhubschrauber. Das Sowjetische Oberkommando hatte genug
von den endlosen Angriffen auf die Militärkonvois, die diese
kritische Lebensader aus dem Norden benutzten. Im Westen der
Straße lag das Koh-i-Paghman-Massiv, mit Höhen bis zu 4000
Metern. Dieses Massiv wird durch zahlreiche, von Westen nach
Osten verlaufende Schluchten geteilt, die gleichzeitig den
Mudschahedin perfekt geschützte Annäherungswege zu und von
der Autobahn aus ihren Stützpunkten in den Bergen boten. Jede
Schlucht hatte kleine Dörfer mit größeren Dörfern am
Eingang der Schlucht, aus denen die Bewegungen auf der Straße
beobachtet werden konnten. Die Sowjets nahmen sich vor, drei
dieser Schluchten vor Wintereinbruch in einem letzten Versuch
von Mudschahedin zu befreien. Aufgrund der eingesetzten Ausrüstung
und Waffen sah es so aus, als ob sie aus Erfahrungen gelernt hätten.
Wegen der ständigen Bedrohung durch gegnerische Scharfschützen
und durch Hinterhalte trugen viele Soldaten
Splitterschutzwesten mit Metalleinlagen. Spezielle Scharfschützenabwehrtrupps
sollten Scharfschützen ausschalten. Die Feuerkraft eines
sowjetischen Zuges wurde durch die Einführung des neuen AK-74
Sturmgewehres erhöht, wobei einige Sturmgewehre mit einem 40
mm Granatwerfer unter dem Lauf ausgerüstet waren, der im
Einzelschuß Granaten verschießen konnte. Weiterhin wurden
automatische Granatwerfer im Kaliber 30 mm mit einer
Reichweite von 800 Metern mitgeführt und eine große Anzahl
von Panzerabwehrhandwaffen vom Typ RPG-7. Einige Züge wurden
mit einer sehr demoralisierenden Brandwaffe ausgerüstet. Die
Waffe erinnerte an eine Bazooka und verschoß eine Granate bis
zu 200 Metern, die in einem großen Feuerball explodierte,
wenn sie ihr Ziel traf. Der Schützenpanzer der Mot-Schützendivisionen
war der BTR-60, der mit einem 14,5 mm Maschinengewehr ausgerüstet
war. Es handelt sich hierbei um eine gute Waffe vorausgesetzt
der Schütze kann das Ziel anvisieren. Dies konnte er jedoch
oftmals nicht, weil seine Gegner aus überhöhten Stellungen
heraus angriffen. Der Maschinengewehrschütze war jedoch nicht
in der Lage, mit seinem Maschinengewehr die hochliegenden
Ziele zu bekämpfen. Die maximale Rohrerhöhung von 30 Grad
mag zwar für die Ebenen oder Mittelgebirge in Westeuropa
geeignet gewesen sein, erwies sich jedoch in den Tälern von
Afghanistan als nutzlos. Ab 1983 wurden 23 mm ZwillingsFla-MG
auf den Ladeflächen von LKWs befestigt, um die erforderliche
hohe Feuergeschwindigkeit in jedem Winkel zu gewährleisten.
Die Sowjetische Luftwaffe hatte den Fehler bei den
Tiefflugbombardierungen erkannt, denn viele Bomben detonierten
nicht. Die Blindgänger wurden oftmals von den Mudschahedin
zur Gewinnung von Sprengstoff benutzt. Es wurden nun Bomben
eingeführt, die einen kleinen Fallschirm hatten. Diese fielen
langsamer zu Boden und sogar aus minimaler Höhe konnte der
Sicherungsmechanismus vor dem Auftreffen auf den Boden ausgelöst
werden. Cluster-Bomben zur Bekämpfung von Infanterie waren
eine weitere tödliche Neuerung. Diese enthielten 60 Bomblets.
wobei jedes Bomblet mit einer 81 mm Mörsergranate zu
vergleichen war. Die Feuerkraft war erschreckend, konnte
jedoch ohne die erforderlichen Taktiken allein keinen Sieg
bringen,erst recht nicht gegen Guerillas.
Die Kolonne teilte sich in drei Bataillonskampfgruppen, die
jeweils von Kampfhubschraubern geschützt wurden. Nach einer
kurzen Distanz drehte das führende Bataillon nach links von
der Straße ab und marschierte auf den Ort Shakadara zu. Zehn
Kilometer zurück wandte sich das nächste Bataillon in die
Farza Schlucht, wohingegen sich das letzte Bataillon in
Richtung Istalef-Schlucht, die nördlichste der drei
Schluchten, bewegte. Die größte Entfernung, die von einer
Einheit zu überwinden war, betrug 25 Kilometer. Bei Einbruch
der Dunkelheit des 26. November waren die Bataillone in ihren
Stellungen am Eingang der Schluchten. Die Mudschahedin in den
Gebieten waren sich im klaren darüber, was passieren würde.
Am folgenden Tag begannen die Bombardierungen. Jagdbomber aus
dem nahe gelegenen Bagram bombardierten die Schluchten, ihre
Ziele waren die Menschen und die Häuser in den Schluchten.
Die Luftangriffe mit 250 kg Bomben sollten ohne Rücksicht
alles töten, alles terrorisieren, Häuser zerstören und
letztendlich die Mudschahedin, die in den Schluchten waren, in
einer Falle einschließen. Am 28. November griffen weitere
Bomber die Schluchten an, als die Bodentruppen in Richtung
Shakadara, Farza und Istalef vorrückten. Den Panzern flogen
die Kampfhubschrauber voraus,die mit Maschinengewehrfeuer und
Boden-Luft-Raketen die Luftangriffe ergänzten. Nur wenig war
übriggeblieben, als die sowjetischen Bodentruppen ankamen,
einige tote und verletzte Zivilisten, haufenweise Trümmer und
Schutt, alte Männer, Frauen und Kinder, die die Angriffe überlebt
hatten, indem sie sich unter Felsen versteckten. Mudschahedin
fanden die Soldaten nicht. Es wurden höher in den Schluchten
weitere Bomben geworfen und Angriffe durchgeführt, bevor eine
Woche später alle Einheiten zurück nach Kabul marschierten.
Es gab nichts Außergewöhnliches an dieser relativ kleinen
Operation. Aus diesem Grunde war sie bezeichnend für mich. Es
war eine typische sowjetische Taktik in diesem Stadium des
Krieges. An Wege und Straßen gebundene Einheiten bewegten
sich unter Feuerschutz im hellen Tageslicht über Straßen und
Wege. Es gab keinen Versuch eines Uberraschungsangriffes, die
sowjetischen Truppen rückten nur langsam vor, was die
Mudschahedin in die Lage versetzte, entweder zu kämpfen oder
der zu flüchten. Es wurde nicht versucht, die Ausgänge am
oberen Teil der Schluchten zu besetzen, lediglich die Ausgänge
wurden bombardiert. Weiterhin gab es keine Versuche, die
Luftangriffe mit einem Vorgehen der Bodentruppen zu
koordinieren. Zuerst gab es Bombardements, dann den Beschuß,
und dann erfolgte der Angriff der Bodentruppen, eine
Search-and-Destroy-Aktion, wo nicht viel durchsucht, aber
vielc Gebäude zerstört wurden. Es wurde kein Versuch gcmacht,
mit Hilfe von Hubschraubern einen ordentlichen Einschließungsring
aufzubauen. es sah vielmehr so aus, als ob die Sowjets in
ihren Fahrzeugen blieben; wenn sie einmal von ihren Fahr
zeugen absaßen, dann gewöhnlicherweise nur, um die Trümmer
der Häuser zu durchsuchen. Nach wenigen Tagen zogen sich die
Einheiten zurück. wobei sie in ihren Berichten einen weiteren
Erfolg für sich verbuchten. Dies erinnerte mich an einen
Boxer mit seinem Sandsack. Der Eindruck der Faust bleibt
solange auf dem Sandsack, wie der Boxer seine Faust auf dem
Sandsack hat, wenn er die Faust zurückzieht und auf eine
andere Stelle schlägt, nimmt der Sandsack seine ursprüngliche
Form wieder an.
Es genügte nicht zu wissen, wo sich der Gegner befand,
welche Stärke und Waffen er hatte oder welche Taktik er
anwenden wollte. Ich mußte mehr über seine Moral, die
Motivation der Soldaten und deren Kampfwillen wissen. Meine
bisherigen Kenntnisse über die sowjetischen Soldaten
vermittelten mir den Eindruck ihrer hohen Kampfqualitäten,
weshalb ich die Möglichkeit der Mudschahedin, den
Sowjet-Soldaten auf dem Gefechtsfeld zu besiegen, skeptisch
einschätzte.
Generalmajor von Mellenthin bewertete im Jahre 1943 beim
Kampf gegen die Russen ihre Härte, ihre Entschlossenheit und
ihre Willenskraft als unvergleichlich . Er schrieb damals:
"Natürliche Hindernisse existieren für den Rotarmisten
nicht; er ist in der Wüste, im Wald, in den Sümpfen und
Mooren genauso zu Hause, wie in den weglosen Steppen. Er überquert
breite Gewässer mit primitiven Hilfsmitteln; er ist in der
Lage, überall Straßen zu bauen - im Winter werden Kolonnen
durch verschneite Wälder geschickt; diese Kolonnen sind zehn
Soldaten breit und bis zu 100 Soldaten tief: innerhalb einer
halben Stunde stampfen diese 1.000 Männer einen Pfad, weitcre
l.000 werden ihre Stelle übernehmen und innerhalb weniger
Stunden ist ein Weg entstanden, der durch ein Gelände führt,
dessen Durchquerung nach westlichem Standard nicht möglich
ist." Ich mußte entdecken, daß sich die Dinge glücklicherweise
in den letzten 40 Jahre gewaltig verändert hatten, zudem
hatte der General keine Aussagen über Berge gemacht.
Der sowjetische Soldat in Afghanistan unterschied sich von
dem Sowjet-Soldatcn. der im Großen Vaterländischen Krieg,
wie die Sowjets den Zwciten Weltkrieg bezeichnen, gckämpft
hatte, erheblich. Damals verteidigten die Sowjets ihr
Heimatland gegen die deutsche Wehrmacht, die große Gebiete Rußlands
besetzt hatte und die Tore Moskaus crreichte. Die sowjetischen
Soldaten kämpften mit dcr Wildheit und Entschlossenheit in
die Enge getriebener Tiere. Sie hatten keine andere Wahl, es
war eine Schlacht, in der es um das persönliche und nationale
Uberleben ging. In Afghanistan waren die Verhältnisse anders.
Der moderne sowjetische Soldat ist ein Wehrpflichtiger. Das
gilt auch für die Unteroffiziere. Er wird im Alter von 18
Jahren für die Dauer von zwei Jahren einberufen. Als
wehrpflichtiger Rekrut ist sein Leben miserabel, oftmals entwürdigend.
Gefangene oder Deserteure beschreiben, wie Wehrpflichtige von
dienstalteren Soldaten, die vielleicht nur sechs Monate länger
dienten, mißhandelt wurden, so wie sie von manchem ihrer Of
fiziere mißhandelt wurden. Der durchschnittliche sowjetische
Soldat hatte keine Motivation, in Afghanistan zu kämpfen, es
sei denn, zu überleben und wieder nach Hause zu kommen. Er
verteidigte nicht sein Hcimatland, diesmal war er der
Angreifer. Er wurde von den meisten Afghanen, gleich ob
Alliierter oder Gegner, mit Mißgunst betrachtet. Er war
schlecht ausgebildet, crnährt und untergebracht. Der
amerikanische Vietnamveteran David Parks schricb in seinem
'GI-Tagebuch' im Jahre 1968: "Ich fühlte nicht, daß ich
für einen bestimmten Grund kämpfte. Ich kämpfte nur, um am
Leben zu bleiben und ich tötete nur um nicht selbst getötet
zu werden." Ich bin mir sicher, daß viele Wehrpflichtige
in Afghanistan dieselben Aussagen gemacht hätten.
Als Soldat wunderte ich mich, daß die Soldaten, die sich
zu Beginn des Krieges in den Einheitcn befanden, oftmals nicht
einmal eine Grundausbildung erhalten hatten. Es war normal, daß
Rekruten mit nur drei Wochen Ausbildung in den Einsatz gingen.
Genauso schlimm ist die Beschreibung eines Gefangenen, der während
seiner ersten sechs Wochen in der Armee nur gerade eben
Nahrung und eine Uniform bekam, keine Waffe oder keine
Ausbildung. Nach sechs Wochen wurde er nach Afghanistan, nach
Mazar-i-Sharif, versetzt, wo er sofort in der Durchsuchung
eines Ortes eingesetzt wurde - um nach chinesischen,
amerikanischen oder pakistanischen Söldnern zu suchen.
Anfangs, so erklärte der Mann, mußte er sich auf die
Unterrichte am AK-47 besinnen, die er als 12 Jahre alter
Schuljunge bekommen hatte.
Als klar wurde, daß die sowjetischen Verbände zur Durchführung
großer Operationen notwendig waren, weil man auf die
Afghanische Armee nicht vertrauen konnte, begann man, die
Ausbildung der Sowjet-Soldaten zu verbessern, jedoch besserte
sich die Moral nicht. Verstärkungen wurden bei den
Ausbildungsdivisionen in der Gegend von Termez zurückgehalten,
was jedoch kein Grund dafür war, die kontinuierliche
Ausbildung in den Kampfeinheiten nicht durchzuführen. Das
sowjetische System arbeitete nicht sehr gut. Der
Wehrpflichtige war für zwei Jahre in der Armee, alle sechs
Monate kamen neue Wehrpflichtige und gleichzeitig ging ungefähr
die gleiche Anzahl von Wehrpflichtigen nach Hause. Viele
Einheiten, die sowieso schon nicht bis zur vollen Soll-Stärke
aufgefüllt waren, verloren somit 25 % ihres erfahrcnen
Personals, die durch Rekruten ersetzt wurden, die erst einmal
eine gewisse Ausbildung benötigten. Für mich war es klar, daß
dies ciner der Gründe war, warum die sowjetischen Einheiten
nur mit verhältnismäßig geringcn Teilen Einsätze außerhalb
ihrer Stützpunkte ausführten. Ein Regimentskommandeur konnte
nur selten, wenn überhaupt, sein gesamtes Regiment ins Feld führen.
Er würde immer ein Bataillon im Stützpunkt lassen müsscn
das als Ausbildungseinheit diente, ein weiteres Bataillon müßte
Verteidigungsstellungen beziehen und nur sein drittes
Bataillon war einsatzbereit. Genauer betrachtet war es fragwürdig,
ob überhaupt mehr als l0 bis 12.000 Sowjet-Soldaten von den
85.000 in Afghanistan bcfindlichen Soldaten zur gleichen Zeit
im aktiven Einsatz waren. Aber selbst dann waren diese
Soldaten über das ganze Land verstreut und waren nicht alle
in einem Gebiet für eine Großoffensive konzentriert.
Obwohl ich die Horrorgeschichten der Desertcurc odcr
Gefangenen mit einer gewissen Skepsis betrachtete, entsprach
ihre Aussage im Grunde der Wahrheit, zumindest, weil viele
dasselbe sagten. Der durchschnittliche Soldat einer Mot-Schützendivision
zog nur der Befehle wegen in den Krieg, hatte keinen
Enthusiasmus für seine Aufgabe, er war damit beschäftigt, zu
überleben und nach Hause zurückzukehren. Die Lebensumstände
waren hart, sogar in den Lagern um Kabul herum lebten die
Soldaten den gesamten Winter hindurch zu 4(1 Mann in Zelten
und scharten sich um einen einzelncn Of en in der Mitte des
Zeltcs. Die in der Mitte wurden geröstet, während die an der
Außenseite froren. Mangelnde Hygiene und Wasch- und Dusch
einrichtungen verursachten Krankheiten, genauso wie die
vitaminarme 'Diät' der Sowjet-Soldaten. Die Soldaten waren
die meiste Zeit hungrig. Ihre Rationen waren mengenmäßig
unzureichend und variierten nur selten. Früchte oder Gemüse
standen kaum auf ihrem Speiseplan.
Diese Einschränkungen wurden durch Geldmangel verursacht.
Ein einfacher Wehrpflichtiger ohne besondere Qualifikation
oder Erfahrung bekam als Wehrsold nur selten mehr als acht DM
im Monat. Gewöhnlicherweisc wurde dieses Geld auf einmal für
Lebensmittel ausgegeben. Die Männer waren rauh und brutal,
das Leben war langweilig. Es waren immer dieselben Soldaten,
die denselben Alarmposten oder Feldposten auf der Spitze eines
Berges für Monate ohne Ende besetzten, im Winter froren, im
Sommer in der Sonne brieten und ihre Zeit mit täglichen
Wachdiensten verbrachten, mit schlechter Nahrung und
Langeweile, was viele dazu trieb, ihre Zuflucht in Drogen oder
Alkohol zu suchen. Haschisch war einfacher und leichter zu
bekommen als Alkohol. Wodka war ein Luxus, der nur für die Of
fiziere reserviert war. Ein Sowjet-Soldat aus Estland: "Oftmals
tauschten die regulären Soldaten der Afghanischen Armee ihre
russischen Waffen gegen Nahrungsmittel und Getränke bei den
Bauern ein. Also taten wir das gleiche, weil es in den Wirren
des Krieges einfach war, den Verlust einer Waffe zu erklären
- wir kauften jede Art von Lebensmitteln und Getränken, sogar
Brot im Tausch gegen unsere Waffen - cinige Soldaten bekamen
Haschisch und andere Drogen. Unsere Soldaten aus Asien waren
sehr oft drogenabhängig, weil Haschisch und andere Drogen in
ihrem Land wuchsen."
Der sowjetische Soldat verkaufte alles, auch Waffen und
Munition ungeachtet der drakonischen Strafen. wenn er erwischt
wurde. Dadurch ist cs nicht verwunderlich, daß diese
Wehrpflichtigen unwillige Soldaten waren. Sie verließen nur
ungern die relative Sicherheit ihrer Stützpunkte oder saßen
aus ihren gepanzerten Fahrzeugen ab. Sie bevorzugten es. die Kämpfe
der Afghanischen Armee zu überlasscn Feuerkraft, sowohl am
Boden als auch aus der Luft, maximal zu nutzen und solange wic
möglich auf den Straßen und Wegen zu bleiben, sowie
infanteristische Operationen nur dann zu führen, wenn das
CGebiet vorher mit Bomben, Granaten oder Raketen belegt worden
war. Ich gewann den Eindruck, daß die Sowjet-Soldaten
Verluste vermeiden wollten. Dies spiegelte sich sowohl in den
Taktiken der Kommandeure. als auch in den Handlungen des
einzelnen Soldaten wieder.
Es gab jedoch Ausnahmen. Die Fallschirmjägereinheiten bzw.
Luftsturmeinheiten kämpfter weitaus aggressiver. Diese Männer
wurden alle, bevor sie nach Afghanistan kamen, zu Fallschirmjägern
ausgebildet und waren sprungtauglich, ihre Unteroffiziere
waren auf sechs Monaten währenden Lehrgängen. Diese
Einheiten hatten bessere Ausrüstung und die Offiziere waren
von einem weitaus besseren Schlag als jene in den Mot-Schützendivisionen.
In den Monaten nach meiner Ankunft führten die Sowjets mehr
Sondereinheiten in den Konflikt. Diese Speznas waren
hochmotiviert und sehr gut ausgebildet. Obwohl auch diese
Soldaten nur Wehrpflichtige waren, waren sie die 'Creme de la
Creme', eine Bestenauswahl. In Afghanistan waren möglicherweise
sieben Bataillone eingesetzt, jedes mit einer Stärke von
ungefähr 250 Mann, fünf dieser Bataillone im Osten und zwei
im Süden des Landes. Der hohe Anteil von Fallschirmjägern in
der sowjetischen Gefechtsgliederung deutete darauf hin, daß
diese eine Schlüsselrolle bei offensiven Opcrationen abseits
der Wege spielen würden. Dies war auch in derTat der Fall,
obwohl sie vielmehr durch hubschrauber ins Gefecht
gebracht wurden, als durch den Fallschirmabsprung.
Obwohl die Sowjets mein Hauptaugenmerk und ihr Rückzug aus
Afghanistan unser erklärtes Ziel war, würden die
Mudschahedin die meiste Zeit gegen die Afghanische Armee kämpfen
- Afghanen gegen Afghanen. Zu Beginn der Widerstandsbewegung
gegen die kommunistische Regierung in Kabul in den Jahren 1978
bis 1979 spaltete sich die Afghanische Armee, die viele Jahre
von den Sowjets ausgebildet und ausgerüstet worden war. Als
die Regierung im Jahre 1979 versuchte, Frauen einzuziehen, führte
dies zu landcsweiten Protesten. Dies war gegen alle
Traditionen des Islam. Am 15. März 1979 sammelte sich ein
Haufen bewaffneter Demonstranten in der Innenstadt von Herat.
Die Demonstration schlug rasch in einen allgemeinen Aufstand
der Stadtbewohner um und führte zu einem Angriff auf das Gefängnis,
um die politischen Widersacher des Regimes zu befreien. Am 17.
März schlossen sich Soldaten der Garnison den Demonstranten
an und erschossen einige ihrer Of fiziere. An diesem Tag
meuterte die gesamte 17. Afghanische Division, wobei sie von
Hauptmann Ismael Khan aus dem Flugabwehrbataillon geführt
wurde. Er wurde später ein führender Mudschahedin-Kommandeur
im Bereich von Herat. Dies war der einzige Fall, wo eine
komplette Division mit ihren Waffcn zur Widerstandsbewegung überlief.
Im Chaos ließen die Einwohner ihren Haß an den sowjetischen
Militärberatern und ihren Familien in Herat aus. Rund 50 von
ihnen wurden mißhandelt, in Stücke geschnitten, ihre
abgeschlagenen Köpfe auf Stangen gesteckt und durch die Stadt
getragen. Gepanzerte Verstärkungen der Regierung aus Kabul
und eine starke Bombardierung führte zur Wiedereroberung
Herats, dies kostete die Widerstandsbewegung um die 5.000
Menschenleben, wobei dic meisten jedoch Zivilisten waren. Es
war die Zeit, als sich die Verhältnisse in der Afghanischen
Armee umzukehren begannen.
Diese Zeit dauerte zwei Jahre, wobei es fast üblich war,
daß ganze Einheiten zu den Mudschahedin überliefen. Genauso
schnell wie die Regierung in Kabul Rekruten einzog,
desertierten sogar größere Mengen von Soldaten. Im Jahre
1980 war die Situation so schlimm, daß die gesamte 9.
Division auf 1.000 Mann zusammengeschrumpft war. Die
Kommandeure hielten ihre Soldaten in den Stützpunkten fess,
denn ein Einsatz war gleichbedeutend damn', sie direkt zu den
Mudschahedin zu schicken. Minen und Stacheldraht sollten den
Angreifer außerhalb der Stützpunkte halter, wie die
Verteidiger in den Stützpunkten halter. Die Sowjetische
Invasion führte dazu, daß die Guerillas großen Zulauf durch
Zivilisten und Soldaten bekamen und daß der Widerstand in
einen Jihad überging. Die Ankunft der Ungläubigen gab den
Widerstandskämpfern einen gerechten Grund und verwandeltc
Guerillakämpfcr in Mudschahedin. Die ursprünglich 100.000
Soldaten der Afghanischen Armee schrumpften auf 25.000
zusammen.
Bis 1987, als ich den ISI verließ, verlor die Afghanische
Armee auf Grund von Desertionen, Entlassungen und Toten jährlich
rund 20.000 Soldaten. Rekruten konnten fast nur noch mit
Gewalt eingezogen werden. In der Theorie bestand die
Wehrpflicht für Soldaten in Afghanistan im Alter von 18 bis
25 Jahren für die Daucr von drei Jahren, in der Praxis jedoch
wurden Männcr von 15 bis 55 Jahren genommen. Ein wciteres
Problem war, daß die männliche Rcvölkerung auf Grund des
Krieges
dezimiert war und nicht cht mehr so viele Rekruten gezogen
werden konnten. Kabul war nicht in der Lage, dic ländlichen
Gebiete unter Kontrolle zu bringen, was dazu führte, daß
Rekruten nur aus den größeren Städten kamen. Ende 1980
wurden Strafen eingeführt, um die Männer in der Armee zu
halter. Für die Nichtbeachtung der Einberufungsbescheide gab
es bis zu vier Jahre Gefängnis, für unerlaubtes Entfernen
vom Dienst bis zu fünf Jahre und für Desertion, die mit
einer Revolution verglichen wurde, gab es bis zu lS Jahre oder
die Exekution. Später wurde die Zeitdauer der Einberufung auf
vier Jahre ausgedehnt. Ich hörte von Männern, die zwei- oder
sogar dreimal eingezogen wurden. Ein wehrpflichtiger Afghane
haste im Dienstgrad Schütze einen Monatsverdienst von ungefähr
200 Afghanis, was mit cat 3,50 DM zu vergleichen war,
wohingegen er zwischen 3.000 und 6.000 Afghanis bekam, wenn er
sich freiwillig meldete. Wohin auch immer sich der Soldat
hinbewegte, wurde er beobachtet. eine Eskorte begleitete ihn
zur Toilette und es dauerte manchmal zwei Monate, bis er eine
Waffe oder Munition für sein Gewehr bekam.
Dies waren die Streitkräfte, von denen die Sowjets
annahmen, daß sie hinausziehen und die Guerillas bekämpfen würden;
aber vielmehr mußten diese Männer davon abgehalten werden,
zu den Guerillas überzulaufen. Diese Situation machte den anfänglichen
Plan der Sowjets zunichte. Im nachhinein glaube ich nun, daß
1980 das Jahr war, in dem die Mudschahedin den Krieg hätten
gewinnen können. Es war die Zeit, in der die meisten Rekruten
aus einer Bevölkerung kamen, die zu neunzig Prozent dem
Kommunismus ablehnend gegenüberstanden. Es war die Periode,
in der die Sowjets selbst schlecht ausgerüstet und
ausgebildet und somit nicht in der Lage waren, den Krieg gegen
die Guerillas zu führen. Ebenso standen sie damals wegen des
Einmarsches in Afghanistan unter großem internationalem Druck;
und es war die Zeit, in der die Afghanische Armee als militärische
Kraft nicht existent war. All diese Faktoren zusammen hätten
sich fatal für die Kommunisten auswirken können. Dies
geschah jedoch aus zwei Gründen nicht. Zum Ersten konnten die
Mudschahedin nicht schnell genug den Vorteil aus den Schwächen
ihres Gegners ziehen und zum Zweiten waren sie nicht mit den
erforderlichen Waffen ausgerüstet, um Panzer, Schützenpanzer
oder Flugzeuge zu bekämpfen. Die Versorgung durch Pakistan
funktionierte noch nicht so, wie Mitte der 80er Jahre.
Den Sowjets und der Regierung in Kabul wurde vielmehr Zeit
gegeben, Ordnung in ihre Angelegenheiten zu bringen, was sie
teilweise taten. Dadurch war der Erfolg des Jihad schwer
festzustellen, was auch Zeit benötigen würde, jedoch waren
die Mudschahedin noch weit entfernt vom Sieg.
Im Jahre 1983 funktionierte die Afghanische Armee wieder
als eine ernstzunehmende Streitmacht. Die Gliederungen
unterhalb der Divisionsebene werden auf Karte 3 gezeigt, wobei
jedoch keine der Divisionen über mehr als 5.000 Soldaten verfügte,
was sie eher zu Brigaden als zu Divisionen machte. Eine
Division, die 7. Division in Kabul, hatte nur 1.000 Soldaten,
während Bataillone mit Stärken von 200 Mann nicht unüblich
waren. Nichtsdestotrotz war die Gesamtstärke der Armee auf
35.000 bis 40.000 Mann gestiegen. Die Armee wurde mit
begrenztem Erfolg wieder einsatzbereit und die Sowjets ließen
sie den Krieg entlang der pakistanischen Grenze führen. Alle
untergeordneten Stützpunkte und Garnisonen im Osten wurden
von Afghanen besetzt. Theoretisch war das Afghanische
Oberkommando dem Sowjetischen Oberkommando gleichgestellt,
jedoch gab es sicherlich eine Partnerschaft, um diesen Krieg
zu führen. In der Praxis war dies jedoch undurchführbar,
weil alle strategischen und die meisten taktischen
Entscheidungen von den Sowjets getroffen wurden. Ein
sowjetischer Militärberater stand hinter jedem afghanischen
Kommandeur, angefangen vom Stab der 40. Armee in Kabul bis
hinunter zu jeder einzelnen Kompanie in den 29 Provinzen. Ein
afghanischer Offizier, der seinen sowjetischen Militärberater
nicht beachtete, arbeitete auf eigene Gefahr. Es schien ein
immer weiter klaffender Spalt zwischen den sowjetischen und
afghanischen Kommandeuren zu entstehen, wobei die Sowjets die
Afghanen als Verbündete zweiter Wahl betrachteten. Ich war später
in der Lage, abgehörte Funksprüche zu lesen, in welchen die
afghanischen Offiziere angaben, daß sie von den Sowjets
Befehle zur Durchführung von gefährlichen und riskanten
Missionen bekamen, während sich die Sowjets
in der Sicherheit der Stützpunktc wiegten. Ich war mir
sicher, daß es nur wenig Liebe zwischen beiden Parteien gab,
obwohl beide realisiertcn, daß dic eine nicht ohne die andere
lebon konnte. Dadurch waren sie gezwungen, miteinandcr zu
kooperieren. Die Luftüberlegenheit war sicherlich der größte
Vorteil des Gegners. Sie brachte nicht nur unbegrenzte
Feuerkraft, sondern auch unbegrenzte Mobilität. Wenn diese
beiden Vorteile korrekt kombinicrt wurden, konnten auf dem
Gefechtsfeld die Guerillas taktisch, wenn nicht sogar
strategisch besiegt werden. Das Problem aus der Sicht der
Mudschahedin war es nicht, daß sie keine Luftstreitkräfte
hatten, sondern daß ihre Möglichkeiten zur Abwehr
gegnerischer Flugzeuge und Hubschrauber auf ein paar
ausrangierte SA-7 Boden-Luft-Raketen beschränkt waren. Ich
werde diesen Mangel in einem späteren Kapitel detailliert
ansprechen, will jedoch an dieser Stelle schon klar machen, daß
zu Beginn meiner Dienstzeit beim ISI der Mangel an
Flugabwehrwaffen der größte Nachteil der Mudschahedin war.
Dieser Mangel konnte aber erst nach weiteren drei Jahren
abgestellt werden.
Es gab mindestens vier sowjetische Hubschrauberregimenter.
Die Verteilung der Luftstreitkräfte zeigt, daß der
Luftwaffenstützpunkt bei Bagram die größte Konzentration
mit 54 Jagdflugzeugen und Jagdbombern hatte. Der nächst größere
Flugplatz war Shindand im Wcsten mit 45 Flugzeugen und dann
kam Kandahar mit 15 Flugzeugen. Diese Flugzeuge waren zahlenmäßig
jedoch denen unterlegen, die aus der Sowjetunion regelmäßig
Kampfeinsätze in Afghanistan flogen. Zu dieser Zeit wußte
unser Nachrichtendienst, daß 195 Kampfflugzeuge in Stützpunkten
in Marie Nord, Karshi. Khanabad, Kokautu und Chirchik
stationiert waren. Dieser letztc bcfand sich nahezu 350
Kilometer nördlich des Amu. (Karte 5)
Es war für mich klar, daß die sowjetischen Flugzeuge mögliche
Basen der Mudschahedin angreifen würden. Eine direkte
Luftunterstützung. wie z.B. bei Angriffen der Guerillas auf
kommunistischc Bodentruppen, war nur begrenzt möglich. Diese
Aufgabe übernahmen eher Kampfhubschrauber als Jagdbomber.
Starke Bombardierungen war ein allgemein üblicher Weg,
Repressalien nach erfolgten Hinterhalten der Guerillas
durchzuführen. Die wahllose Bombardierung führte zu großen
Schäden in den Dörfern und hatte Hunderte von Vcrletzten
unter der Zivilbevölkerung zur Folge. Normalcrweise wurden
die Mudschahedin davon kaum betroffen, dies war jedoch ein
primärer Grund dafür, daß so viele Flüchtlinge nach
Pakistan kamen. Ich glaube, daß es als Erfolg durch die
Sowjets gewertet wurde, weil die Flüchtlinge in Pakistan mit
wachsender Unzufriedenheit betrachtet wurden.
Die Mudschahedin fürchteten die Kampfhubschrauber viel
mehr als die Mig oder die SU-17, weil sie sich nicht vor ihnen
verstecken konnten. Die Hubschrauber wurden zu einem persönlichen
Gegner, der bereits aus 1.000 Meter Entfernung mit
ausreichender Präzision schießen konnten. Der
Kampfhubschrauber Mi-24-Hind war das sowjetische Arbeitstier während
des Krieges. Zu seiner Bewaffnung zählten unter anderem 12,7
mm Maschinenkanonen. 57 mm Raketen, Brand-, Phosphor- und
Sprenghomben, aus der Luft verlegbare Minen,Clusterbomben
sowie chemische Kampfstoffc. Gegen Ende des Jahres 1983 flogen
sie stets in Rotten, wobei sie die Luftnahunterstützung
sicherstellten, Dörfer beschossen, Kolonnen eskortierten und
zerstören, was sich am Boden bewegte. Als
Transporthubschrauber dominierten die Mi-X und die Mi-17.
Diese wurden dann weiterhin eingesetzt, um luftgelandete
Truppen in Sperrstellungen zu bringen oder während größerer
Operationen Truppen zu landen, um den Guerillas den Weg
abzuschneiden.
Mitte November glaubte ich allmählich, die Mudschahedin
und ihren Gegner zu verstehen. Es war nun an der Zeit, General
Akhtar im Bezug auf eine Langzeitstrategie für den Krieg zu
konsultieren. Wir mußten die Prioritäten festlegen und
abstimmen, wie die Fähigkeit der Mudschahedin zur Bekämpfung
einer Supermacht am wirkungsvollsten verbessert werden konnten. |