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Der Absturz, die SchuIcligen und die Vertuschung
"Zias Tod war ein Akt Gottes!" Benazir Bhutto, 1988 Der Absturz

Die in Tarnfarben gestrichene C-130 der Pakistanischen Luftwaffe schlug in einem Winkel von 65 Grad auf den Boden auf. Das Flugzeug flog mit angestellten Landeklappen, ausgefahrenem Fahrwerk, vier normal arbeitenden Triebwerken und einwandfrei funktionierenden Systemen. Das Flugzeug schlug mit 190 Knoten Geschwindigkeit auf. Nach einem kurzem Moment, als die Treibstofitanks explodierten, bildete sich ein riesiger Feuerball. Beide Uhren im Cockpit zeigten später exakt t5.51 Uhr, an einem klaren, hellen Tag, wenige Meilen nördlich der kleinen Garnisonsstadt Bahawalpur. Präzise fünf Minuten vorher war die Maschine zu ihrem 70minütigen Flug nach Islamabad gestartet. Nach zwei schrecklichen Minuten an Bord war es für alle Passagiere vorüber.

Es war der 17. August 1988. Wenige Momente vorher hörte Hafiz Tay Mohammad, über seinem Feld in dcr Nähe des Ortes Dhok Kamal in der Nähe des Flusses Sutlej, 12 Kilometer von Bahawalpur, die Motoren des Flugzeuges und blickte nach oben Er beobachtete das immer noch steigende und in ungefähr einer Höhe von 1.500 Metern fliegende Flugzeug. Plötzlich senkte sich der Bug des Flugzeuges nach unten, um geradezu in Richtung Erde zu rasen, bevor es noch einmal erneut aufstieg. Dann, als wenn die Kraft des Flugzeuges vollends vcrloren wäre. stürzte es mit dem Bug voran ab. Für den Mann, der den Absturz beobachtete, gab es keinen sichtbaren Grund, keine Rakete, keine Explosion in der Luft, kein Feuer, kein Rauch aus den Triebwerken, nichts, was ein Unglück sichtbar verursacht haben könnte.

Es starben der pakistanische Präsident, General Zia-ul-Haq und sein vorgesehener Nachfolger General Akhtar Abdul Rahman Khan. Es starben somit die beiden mächtigsten Männer in Pakistan, neben dem Präsidenten der bis 1987 amtierende Generaldirektor des ISI. Mit einem Schlag vcrloren die afghanischen Rebellen, die Mudschahedin, zwei ihrer einflußreichsten Unterstützer. Ebenso starb der amerikanische Botschafter Arnold Raphel, der den Präsidenten seit zwölf Jahren kannte und der Brigadegeneral Herbert Wassom, der Attache des US-Verteidigungsministeriums in Islamabad. Weiterhin starben acht pakistanische Generäle mit ihren Adjutanten, und die Besatzung des Flugzeugs, alles in allem 31 Personen.

Erstaunlicherweise hätten weder Präsident Zia noch General Akhtar an Bord des Flugzeuges sein sollen. Beide wurden gegen ihren Willen dazu überredet, der Vorführung eines amerikanischen Kampfpanzers M1 beizuwohnen, den die USA der Pakistanischen Armee verkaufen wollte. Dies war jedoch kein Vorgang, der ihre Anwesenheit erfordert hätte. Derartige Angelegenheiten wurden gewöhnlicherweise vom stellvertretenden Chef des Armeestabes, General Mirza Aslam Beg wahrgenommen. Zum ersten Mal aber verließ Präsident Zia die Sicherheit seiner offiziellen Residenz seit er die Regierung von Premierministcr Junejo drei Monate zuvor aufgelöst hatte.

Es war der 14. August. als Zia schließlich unter dem Druck seines früheren militärischen Beraters und Verteidigungsattache in Washington, Generalmajor Mehmood Durrani, nachgegeben hatte, der damals eine Panzerdivision kommandierte. Dieser meinte, daß die Anwesenheit des Präsidenten diplomatisch wünschenswert wäre und der pakistanischen Delegation zusätzliches Gewicht geben würde. Gegen seinen ursprünglichen Willen stimmte er zu, der Vorführung beizuwohnen.

Genauso wie Präsident Zia beabsichtigte General Akhtar bis ungefähr zwölf Stunden vor Abflug der Maschine nicht, nach Bahawalpur zu fliegen. Er änderte seine Meinung aufgrund verschiedener Telefonanrufe eines früheren Direktors des ISI, in denen es um einige Veränderungen in der militärischen Hierarchie durch Präsident Zia ging, von denen Akhtar vorher unterrichtet werden sollte. Akhtar bat den Präsidenten um ein dringendes Treffen. Zia, der auf den Weg zu der Vorführung des Panzers war bot Akhtar an, ihn zu begleiten, damit die Angelegenheit im Flugzeug diskutiert werdcn könne. Das Schicksal von beiden war somit besiegelt.

Das Rufzeichen des Präsidentenflugzcugs war PAK 1, jedoch wurde das Flugzeug, das er benutzen würde, erst kurz vor dem Start ausgewählt. Gewöhnlich waren es zwei der Flugzeuge vom Typ C-13(), die auf dem Luftwaffenstützpunkt bei Chaklala, wenige Kilometer von lslamabad, stationiert waren. Nachdem die Entscheidung getroffen war. wurdc das entsprechende Flugzeug mit einem Container für die VIPPersonen ausgestattet? der kurz vor dem Start an Bord gebracht und befestigt wurde. Es handelt sich bei dem Container um ein ca. 2.500 kg schweres Holz- und Metallgebilde daß mit einer Klimaanlage und einem unabhängigen Beleuchtungssystem ausgerüstet war, um den Passagieren einen gewissen Komfort zu gewährlcisten, der sonst in der C-130 nicht vorhanden war. Das zweite Flugzeug, die PAK 2 würde der PAK l folgen. Es gab eine Routinedurchsuchung bei beiden Flugzeugen vor dem Abflug. Bei diesem Flug gab es jedoch ein Problem, der Flugplatz von Bahawalpur war sehr klein und konnte nur eine C-130 aufnehmen, so daß die PAK 2150 km entfernt bei Sargodha landen mußte. Wenn der Präsident erst einmal Chaklala verlassen hatte, gab es keine Möglichkeit mehr, das Flugzeug zu wechseln.

Es gab außerdem noch zwei weitere kleinere Flugzeuge auf dem Flugfeld. Eines davon war eine Cessna, mit der die Umgebung des Flughafens abgeflogen wurdc, eine Vorsichtsmal3nahme gegen mit Flugabwehr-Raketen bcwaffnete Terroristen. Dies war seit sechs Jahrcn eine Routinemaßnahme, nachdem ein Angriff mit FlugabwehrKaketen auf das Flugzeug des Präsidenten mißglückt war. Ebenso befand sich die achtsitzige Maschine von General Beg auf dem Flugfeld, der als of fizieller C,astgeber der Veranstaltung schon vorher nach Bahawalpur fliegen sollte. Die kleine Maschine des amerikanischen Militärattaches, die ihn und den Botschafter nach Süden hringen sollte, befand sich bei Multan. Wenn der Flugzeugabsturz Sabotage war, waren die beiden Amerikaner jedoch nicht das Ziel dieses Anschlages.

Die Demonstration, die vor so vielen hochpestellten Persönlichkeiten durchgeführt wurde, brachte die Amerikaner arg in Verlegenheit. Der viel gerühmte AbramsPanzer verfohlte viele Ziele und der geplantc Vertrag über mehrere Milliarden Dollar verpuffte wie eine Seifenblase in der Luft.

Während der Präsident und seine Offiziere in der Offiziersmesse zu Mittag aßen stand die PAK 1 auf dem Rollfeld in der Sonne. Eine Militäreinheit war zur Bewachung der Maschine abgestellt. Aufgrund eines kleineren technischen Defektes an der Ladeluke arbeiteten jedoch sieben Techniker an der Maschine. Der Pilot, Commander Mash'hood Hassan, der persönlich von Zia ausgewählt worden war, kam vor den Passagieren mit seinem Co-Piloten, seinem Navigator und Bordingenieur zur Maschine, um die erforderlichen Kontrollen vor dem Abflug durchzuführen. Dicse vicr Männer begaben sich in die Pilotenkanzel des Flugzeuges, die von der VlP-Kapsel abgeteilt war und über drei Stufen an der linken Seite des Flugzeuges zu erreichen war.

Präsident Zia erreichte mit seinen Offizieren und scinen Gästen das Flugzeug um 15.30 Uhr, verneigte sich nochmals gen Mekka und stieg ein. Er überredetc beide Vertreter der US-Rcgierung dazu, ihm beim Rückflug Gesellschaft zu leisten. Sic taten dies ohne ersichtliche Ablehnung. General Beg ließ sich jedoch entschuldigcn, als der Präsident versuchte, auch ihn an Bord der PAK 1 zu komplimentieren Er sagte. daß er sein eigencs Flugzeug benutzen würde, weil er sich noch auf Geschäfte vorbereiten mußte, die in Lahore durchzuführcn wären. Es war cine allgemein bekannte Praxis von Präsident Zia, mit der größtmöglichen Anzahl von Generälen oder Offiziellcn zu fliegen, um die Gefahr eines Komplotts herabzusetzcn. Kurz vor clem Abflug wurden noch zwei Körbe Mangos für die VIP's geliefert. die ohne Durchsuchung eingeladen wurden sowie eine Tasche mit Modellpanzern.

In der VlP-Kapsel befanden sich nun Präsident Zia, Akhtar Afzaal, Raphcl, Wassom sowie der militärische Berater des Präsidenten, Brigadegeneral Najil? Ahmed. Zia, Raphel und Akhtar saßen so dicht zusammen, daß sie sich während des Flugcs unterhaltcn konnten, obwohl eine Unterhaltung in der C- l 30 schr schwierig ist' da es ein sehr lautcs Flugzeug ist. Um 15.46 Uhr hob die PAK I ab, nachdem die Cessna den Sicherungsflug durchgeführt uncl keine besonderen Vorkommnisse gemeldet hatte. In der Führcrkabine liefen die N1aßnahmen vor und nach dem Start ohne Zwischcnfälle ab, die Verbindungen zum Fower waren klar. Die Tatsache, daß das Flugzcug wcder eine sogenanutc Black Box zur Aufzeichnung des Fluges noch einen Recorder im Cockpit zur Aufzeichnung des Funkverkehrs hatte, wurde später ein Opfer der Zensur. Bcim Abheben der Maschine hatten weder Besatzung noch Passagiere die leiseste Ahnung, daß sich in weniger als zwei Minuten eine Katastrophe ereignen würde. Mash'hood funkte seine Ankunftszeit nach Islamabad durch, als die Maschine in den Himmel stieg und auf ihren vorgesehenen Kurs einschwenkte.

Am Boden war der Pilot von General Beg mit den Startvorhereitungen beschäftigt, bci Sagodha startete die PAK 2 genauso wie die Cessna. Alle Flugzeuge hatten die gleiche Funkfrequcnz wic die PAK 1 und somit hörten alle, wie die Bodenkontrolle den genauen Standort der PAK I wissen wollte und als Antwort das'Stand by' kam. Weiter geschah nichts. Kein Mayday-Rut. tatale Funkstille, bis plötzlich die aufgeregten Funksprüche des Kontrollturms kamen, als man bemerkte, daß irgendetwas nicht wie vorgesehen lief.

Unbeschreiblich war der Horror für die Passagiere, die beim Sinkflug wehrlos in ihren Sicherheitsgurten hingen, unfähig sich zu bewegen oder etwas an ihrer Situation zu ändern. Dann ein kurzer Moment des Aufatmens, als sich das Flugzeug wieder fing und erneut zu steigen begann.

Die Schuldigen

Die Unglücksursache war entweder ein Unfall oder ein Mordanschlag. Als sich die Nachrichten verbreiteten, glaubte kaum ein Pakistani an einen Unfall. Zia war ein Mann mit unzähligen Feinden. Es gab mindestens sechs fohlgeschlagene Mordversuche gegen ihn, inklusive eines Raketenanschlages auf sein Flugzeug. Sein schlimmster Widersacher innerhalb Pakistans war die Familie Bhutto. Zia hatte damals, ungeachtet des internationalen Aufschreis, das Todesurteil gegen den Vater der zeitweiligen Pemierministerin Benazir vollstreckt, obwohl Bhutto selbst Zia als jungen Generalleutnant zum Armeechef ernannt hatte. Zulfikar Ali Bhutto traf damals eine Entscheidung, die drei Jahre später seinen Kopf kostete. Am 4. April 1979 wurde er im Gefängnis von Rawalpindi gehängt. Nach diesem Zwischenfall war die Familienfehde unerbittlich. Zia ließ Benazir Bhutto und ihre Mutter gefangennehmen, verbot die politische Partei Bhuttos und beschuldigte die Söhne Shah Nawaz und Mir Murtaza in ihrer Abwesenheit mehrerer schwerer Verbrechen. Im Exil baute Mir Murtaza eine Terrorgruppe mit dem Namen Al-Zulfikar (Das Schwert) gegen Zia in Kabul auf, wo diese ihre Büroräume mit der PLO teilte. Aus Kabul und aus Damaskus wurden eine Reihe von Mord- und Sabotageanschläge geplant und durchgeführt, wozu auch die Entführung eines pakistanischen Passagierflugzeuges im Jahre 1981 gehört. Im Jahre 1985 starb Shah Nawaz einen qualvollen Tod unter ungeklärten Umständen in Paris und Gerüchte gingen um, daß er von Agenten Zias vergiftet worden war. Es gab damals und es gibt auch heute noch einen sehr starken Haß zwischen den beiden Familien. Bhutto sagte, daß der Absturz ein Akt Gottes war, gewann drei Monate später die Wahl und wurde erste weibliche Premierministerin Pakistans.

Zia und Akhtar wurden als letzte Offiziere von der indischen Militärakademie vor der Abspaltung von Indien im Jahre 1947 ernannt. Nachdem Zia in die Politik ging, prahlte er oft damit, daß seine Wähler aus den bewaffneten Streitkräften kamen und er akzeptierte niemals das Amt. daß er von Bhutto bekommen hatte. Auch beim Militär hatte er nur wenige Freunde. Er entwickelte sehr schnell ein unheimliches Geschick dafür, potentielle Rivalen seiner Macht ausfindig zu machen. Diese wurden in Positionen versetzt, die weit vom Sitz der Regierung in Islamabad entfernt waren. Seine einzige Aufgabe als Chef des Armeestabes war die Ernennungen aller Offiziere über dem Rang eines Generalmajors. Es gab mit Sicherheit eine große Anzahl von Personen, die froh darüber waren, daß Zia tot war.

Die potentiellen Mörder waren jedoch nicht nur inncrhalb Pakistans zu suchen. Nachdem Zia die Mudschahedin in ihrem Kampf gegen die Sowjets und deren afghanische Verbündete unterstützt hatte, wurde Pakistan durch Agenten des KHAD überschwemmt, die seme Regierung durch eine lerrorkampagne unterminieren sollten, indem Bombenanschläge auf die Zivilibevölkerung durchgeführt wurden. Der KHAD war die afghanische Geheimpolizei, ausgebildet und beraten durch den KGB. An der Spitze der Abschußliste des KHAD stand Präsident Zia, dicht gefolgt von General Akhtar. Die Sowjets zogen sich aus Afghanistan einzig und allein aus dem Grund zurück, weil Zia die Mudschahedin unterstützt hatte und sie neun Jahre lang für ihren Guerillakrieg ausgebildet und bewaffnet hatte, der das sowjetische Militär 13.000 Tote kostete. Die UdSSR beschuldigte Pakistan der fortwährenden Unterstützung der Mudschahedin und der Angriffe während des sowjetischen Rückzuges, der zum Zeitpunkt des Flugzeugabsturzes zur Hälfte vollzogen war. Dies ging soweit, daß Pakistan durch den US-Botschafter in Moskau von der Absicht in Kenntnis gesetzt wurde, Zia eine Lektion zu erteilen.

Ebenso war Indien ein potentieller Gegner. Pakistaner und Inder hatten bereits drei Kriege gegeneinander geführt: 1947, 1965 und 1971. Der indische Premierminister Radschif Ghandhi beschuldigte Zia, daß er die Sikh-Terroristen mit Waffen unterstützte. Diese Terroristen hatten seine Mutter ermordet und es waren nun mehrere tausend bewaffnete Sikh aktiv in Indien. Zia wurde beschuldigt, sich mit den Führern der Sikhs zu treffen, ihnen Schutz in Pakistan zu gewähren und sie auszubilden. Um dieser Gefahr zu begegnen, baute Dehli eine spezielle Abteilung des Nachrichtendienstes auf, die den schlichten Titel des Forschungs- und Analyscstaffel (RAW) hatte und gezielt gegen Pakistan gerichtet war.

Sogar die US-Regierung weinte nur wenige Tränen über den Tod Zias. Man glaubte im State Department, daß Zia nicht von weiterem Nutzen war. Nach dem sowjetischen Rückzug aus Afghanistan lag es nicht mehr im Interesse der US-Regierung, daß die kommunistische Herrschaft in Kabul durch islamische Fundamentalisten ersetzt wurde.

Offizielle amerikanische Stellen behaupteten, daß diese Machtübernahme das Ziel Zias war. Die Amerikaner fürchteten den Traum Zias, daß ein islamischer Machtblock entstand, der sich vom Iran durch Afghanistan nach Pakistan und eventuell zu den sowjetischen Provinzen Usbekistan, Turkmenistan und Tadschikistan erstreckte. Für das State Department war ein solch großes Gebiet, das grün schattiert war, schlechter als ein rotes Afghanistan.

Noch am Unglückstag beauftragte der Chef der Pakistanischen Luftwaffe eine Kommission mit der Untersuchung der Umstände des Absturzes, Feststellung der Schäden und Kosten, Durchführung der Schuldzuweisung und weiterer Untersuchungen, um derartiges in der Zukunft zu vermeiden. Den Vorsitz hatte Commodore Abbas Mirza mit drei weiteren Offizieren der pakistanischen Luftwaffe. Um technischen Rat und Erfahrung beizusteuern, wurden sehr schnell sechs Offiziere der US Air Force aus Europa zur Untersuchung des Falles eingeflogen. Diese wurden geführt von Colonel Daniel Sowada.

Die folgenden zwei Monate vergingen mit den Untersuchungen der Kommission und der Sammlung von Beweisen. Zeugen wurden befragt und Labortests an den Trümmern des Flugzeugs, Instrumenten, Motoren und Propellern durchgeführt, sowie die Flugsicherungseinheiten überprüft. Diese Labortests wurden sowohl in Pakistan als auch in den USA mit der vollen Unterstützung von l ockheed, der Herstellerfirma der C-130, durchgeführt. Ein möglicher technischer Fehler nach dem anderen wurde als Unglücksursache ausgeschaltet. Es gab keine Anzeichen dafür, daß die Besatzung des Flugzeuges übermüdet oder überlastet war. Ein Fehler des Piloten lag ebenfalls nicht vor. Schlechte Witterungsverhältnisse herrschten genauso wenig, wie ein Fehler in der Treibstoffzusammensetzung vorlag. Es hatte an Bord des Flugzeuges keinen Brand vor dem Aufschlag gegeben, das Flugzeug war intakt. Es gab keine Ermüdungserscheinungen im Metall, Motoren und Propeller funktionierten normal, ebenso die Hydraulikanlage, die Stromversorgung und die elektrische und elektronische Anlage. Es gab keinen Beweis einer Explosion im Inneren des Flugzeugs. Auch eine Rakete oder Granate war nicht die Ursache gewesen. Die unvermeidbare Schlußfolgerung war, daß Sabotage zum Tod von 31 Personen geführt hatte. Die Untersuchungskommission war der Meinung, daß die Besatzung im Cockpit des Flugzeuges sofort und gleichzeitig durch einen chemischen Kampfstoff, wie z.B. einen schnell wirkenden Nervenkampfstoff, außer Gefecht gesetzt worden war. Das Vorhandensein eines geruchlosen und farblosen Gases hätte die Besatzung nicht alarmiert, somit hätte sie keine Helme und Sauerstoffmasken getragen. Es stellte sich heraus, daß kein Angehöriger der Besatzung zum Zeitpunkt des Absturzes seinen Helm trug. Die Kommission schlußfolgerte, daß ein solcher chemischer Kampfstoff in einem unverdächtigen Behälter wie z.B. einem Trinkbecher, einer Thermosflasche, einem Geschenk hatte an Bord geschmuggelt werden können, ohne Aufmerksamkeit zu erregen.

Es war nicht möglich, die Art des Gases festzustellen, weil an den Leichen der Besatzung des Fluges keine Autopsien durchgeführt wurden. Nur an der Leiche von Brigadegeneral Wassom wurde eine Autopsie durchgeführt, bevor das Militärkrankenhaus Bahawalpur den Befehl bekam, keine weiteren Autopsien durchzuführen. Brigadegeneral Wassom befand sich in der VIP-Kapsel und nicht im Cockpit des Flugzeuges. Es kann lediglich gefolgert werden, daß er keine Verletzungen irgendwelcher Art hatte, die auf eine Explosion vor dem Aufschlag des Flugzeuges schließen lassen. Er hatte auch keine giftigen Dämpfe eingeatmet, die auf ein Feuer an Bord des Flugzeuges gedeutet hätten. Der Befehl. keine weiteren Autopsien durchzuführen, war ungewöhnlich, weil Autopsien eine Routinemaßnahme sind. Später wurde bekanntgegeben, daß die Leichen beim Absturz vollständig verbrannt waren, was die Autopsie unmöglich gemacht hätte.

Als die Familie von General Akhtar vor der Beerdigung die Leiche sehen wollte, wurde dies mit der Begründung abgelehnt, daß nichts von seinem Körper übriggeblieben war. Dies wurde allerdings allgemein nicht geglaubt. Augenzeugen am Absturzort sagten, daß zwar die Leichen der Passagiere im rückwärtigen Teil des Flugzeuges schwerste Verletzungen aufwiesen, die Leichen der Passagiere in der VIP-Kapsel oder die der Flugzeugcrew im Cockpit jedoch weitgehend unversehrt blieben. Der Zustand der Leiche von Brigadegeneral Wassom ließ ja auch eine Autopsie zu. Der Koran von Zia überstand den Absturz, verkohlt aber dennoch zu entziffern, genauso wie die Uniformmütze General Akhtars, zusammen mit sciner persönlichen Akte, auf der die Worte 'Chairman JCSC' immer noch klar lesbar waren. Ein Vertreter der Amerikaner mußte bekanntgeben, daß die Körper nicht für eine Autopsie zur Verfügung standen, weil moslemischc Bräuche einc Beerdigung innerhalb von 24 Stunden forderten. Dies ist unter normalen Umständen wahr, stimmt jedoch nicht innerhalb der Dienste Pakistans, was sich daran zeigt, daß die Ärzte in Bahawalpur automatisch mit den Vorbereitungen für die Autopsien begannen.

Innerhalb des Untersuchungsausschusses war niemand qualifiziert, Nachforschungen über Straftaten durchzuführen. Der Ausschuß gab jedoch an, daß, obwohl 31 Totenscheine geschrieben wurden, niemand eine Zählung der Leichen am Absturzort oder im Krankenhaus durchgeführt hatte. Die Möglichkeit. daß sich zusätzlich noch jemand an Bord des Flugzeuges befunden hatte, konnte nicht ausgeschlossen werden.

Obwohl der ISI anfangs mit den Untersuchungen beauftragt war. waren seine Bemühungen nicht sehr emsig. Das Bodenpersonal in Bahawalpur war überrascht darüber, daß es keiner rigorosen Befragung unterzogen wurde. Die Ermordung eines Polizisten in der Nähe wurde nicht aufgeklärt, während die Bemühungen der Mitglieder des Untersuchungsausschusses, ein Geständnis des Piloten der PAK 2 zu bekommen, bizarr waren. Die frühere Tötung eines Schiitenführers wurde von dessen Gefolgsleuten Zia in die Schuhe geschoben. Beide, der Pilot der PAK 2 und der CoPilot der PAK 1, waren Schiiten und es wurde spekuliert, daß der Pilot der PAK 2 den Co-Piloten der PAK 1, Leutnant Sajid, dazu zwang, das Flugzeug in einer Selbstmordmission zum Absturz zu bringen. Erst nachdem die Untersuchungskommission feststellte, daß eine derartige Aktion nicht möglich war, wurde der unglückliche Mann entlassen.

Also blieb nur noch der Akt des Massenmordes. Die mögliche Methode wurde durch die Untersuchungskommission herausgestellt, obwohl die Schuldigen nicht identifiziert wurden. Wie oben beschrieben wurde, hatten viele Menschen, Organisationen, sogar Nationen politischen Motive, Zia zu töten. Was bisher aufgeführt wurde, waren die Fakten, die ich zusammenstellen konnte; was nun folgt, sind meine eigenen Kommentare darüber. was geschehen sein mag.

Der erste Punkt, den ich betrachte, ist die Aussage vieler Zeugen, der letzte Versuch des Aufbäumens des Flugzeuges. Wäre das ein Mitglied der Besatzung gewesen, wäre möglicherweise auch eine Warnung oder ein Notruf über den Funk gesendet worden, aber dort herrschte absolute Funkstille. Offensichtlich wurde die Besatzung handlungsunfähig gemacht. Im nachhinein wurde angenommen, daß die Stimme des Brigadegererals Najib Ahmed herausgehört wurde, wie sie nach dem Kapitän rief. Irgendwie mußte er es geschafft haben, ins Cockpit zu kommen, wo seine Schreie wahrnehmbar waren, weil der Pilot seine Hand auf der Funktaste hatte. Eine weitere Theorie besagt, daß Najib versuchte, das Flugzeug zu fliegen. Ich glaube, daß diesc Behauptung haltlos ist. Nachdem die PAK 1 einmal außer Kontrolle geraten war, war niemand mehr in der Lage, seinen Sitz zu verlassen und sich nach vorne zu kämpfen, die Leiter hochzuklettern, die Tür zu öffnen und in das Cockpit zu kommen. Weiterhin gibt es keinen Beweis darüber, daß irgendjemand die Stimme von Ahmed gehört hat, darüber ist auch nichts in dem Bericht des Untersuchungsausschusses zu finden. Wäre etwas ähnliches passiert, hätte es in diesem Bericht gestanden. Der Fall, das plötzliche Aufsteigen und der letztendliche Absturz des Flugzeuges kann möglicherweise auch einen anderen Grund haben. Nach Aussage eines Experten der Firma Lockheed zieht die Nase der C-130 selbständig hoch, woraufhin ein Mechanismus im Heck des Flugzeuges dieses umkehrt und das Flugzeug wieder sinkt. Das Fugzeug korrigiert sich selbst, mit denselben Resultaten. Dies mag manchmal vor einem Zusammenstoß oder Absturz geschehen. Die technische Bezeichnung für dieses Flugverhalten ist'phugoid'.

Ich glaube daran, daß das primäre Ziel die Beseitigung von Zia war. Der ursprüngliche Plan mag die Ermordung von Akhtar ebenfalls vorgesehen haben, was ich jedoch bezweifle. Es setzt wirklich schon einiges voraus, um beide zugleich zu töten. Akhtar stand oben auf der Liste für Anschläge des KHAD und es wurde angenommen, daß er im Falle von Zias Tod dessen Nachfolger werden würde. Möglicherweise war es Teil des Komplottes, ihn an diesem Nachmittag an Bord der PAK 1 zu bekommen, aber dies kann nur ein Arrangement in der letzten Minute gewesen sein. Bei gründlicher Uberprüfung meine ich, daß sein Tod möglicherweise ein unerwarteter Bonus für die Mörder war.

Sicherlich war der Gedanke, einen Flugzeugabsturz vorzutäuschen, als das geeignetste Mittel ausgewählt worden, weil die Chancen minimal waren, daß Beweise für die Beteiligung von Verschwörern vorhanden wären, sogar wenn der Absturz später als Ursache einer Sabotage aufgeklärt würde. Der KHAD sowie der RAW konnten durch ihre sowjetischen Kontakte die Drahtzieher des Attentates sein. Wenn die Verschwörer aus den Reihen des pakistanischen. Militärs kamen, war es ebenfalls möglich, daß die CIA diese Aktion aus anderen Gründen unterstützte. Ebenfalls sehr wahrscheinlich ist die Beteiligung des pakistanischen Militärs, höchstwahrscheinlich aus den unteren Rängen, weniger aus den oberen Rängen. Weder der KGB, noch der KHAD oder der RAW wäre in der Lage gewesen, die Autopsien in einem Militärkrankenhaus zu stoppen. Wenn das Militär mit einbezogen war, war es ein Einfaches, den Flugplan des Präsidenten zu bekommen, genauso wie das Militär am Flughafen nicht den Sicherheitsüberprüfungen unterliegt und es für das Militär ein Leichtes ist, Gegenstände an Bord des Flugzeuges zu bringen.

Die Planer des Attentates müssen ihre Schwierigkeiten damit gehabt haben, weil Woche um Woche verging, ohne daß Zia sein Flugzeug benutzen wollte. Die Demonstration des Kampfpanzers wäre ohne die Uberredungsversuche mit Sicherheit nicht interessant genug gewesen, dieser Grund war möglicherweise nur eine letzte Maßnahme. Das Problem war es, ihn an Bord des Flugzeuges zu bringen, ohne ihn Verdacht schöpfen zu lassen. Möglich wäre es gewesen, daß j emand General Durrani, den Kommandeur der Panzerdivision, informierte, daß das Auftreten von Zia bei der Vorführung wichtig wäre, somit versuchte Durrani in seinem eigenen Interesse Zia zu überreden. Seine Versuche, den Präsidenten zum Besuch der Panzervorführung zu überreden, konnten somit, ohne vom Attentat wissen zu müssen, von den Terroristen genutzt werden.

Es muß davon ausgegangen werden, daß die tödliche Gasdosis bereits vorhanden war, während auf eine günstige Gelegenheit gewartet wurde und eine Person diese an den richtigen Ort bringen mußte. Unzweifelhaft kam diese Person aus dem Militär, möglicherweise ein Techniker der Luftwaffe und, wenn meine Theorie korrekt ist, von der 6. Staffel der PAF. Diese Einheit fliegt die C- 130 aus Chaklala, das wenige Kilometer im Süden von Islamabad liegt. Es mußte eine Entscheidung getroffen werden, wann das Gas benutzt werden sollte. Nachdem es sicher war,daß Zia nach Bahawalpur fliegen würde, war die Wahl, ob es dort oder in Chaklala an Bord gebracht werden sollte, nachdem klar war, daß die PAK 1 benutzt wurde.

Die meisten Theorien setzen voraus, daß das Gas in Bahawalpur an Bord gebracht wurde. Ich glaube jedoch, daß es in Chaklala war. In Bahawalpur war kein weiteres Luftwaffenpersonal mit Ausnahme der Crew an Bord und von denen würde keiner das Gas benutzen, es sei denn, der Täter möchte als Selbstmörder mit abstürzen. Wie konnten sich die Verschwörer sicher sein, daß ein Soldat der Armee in der Lage wäre, in das bewachte Flugzeug zu kommen? Die Vorrichtung zur Versprühung des Gases mußte im Cockpit angebracht werden, was dazu führt, daß der Täter die Leiter hochklettern und durch die Tür in das Cockpit gelangen mußte. Dies ist für einen Soldaten nahezu unmöglich und sicherlich war das Gas auch nicht zwischen den Mangos versteckt. Waren es möglicherweise die Techniker, die an der defekten Ladeluke arbeiteten? Aber diese sollten zurück nach Islamabad fliegen. Weder die Techniker noch die Wache würden es einem Soldaten oder Zivilisten erlauben, das Flugzeug zu betreten, ganz zu schweigen davon, ins Cockpit zu klettern.

Ich kann nicht absolut sicher sagen, daß es nicht in Bahawalpur geschah, wenn es jedoch dort durchgeführt wurde, war es eine sehr riskante Operation, bei der alles gegen den Erfolg sprach.

In Chaklala hätte ein Nachrichtendienst es weitaus einfacher, das ständige Personal der Luftwaffe zu infiltrieren. Der Zugang zu den C-130-Maschinen war ein Teil der täglichen Dienste der Techniker oder des Wartungspersonals. Eine perfekte Möglichkeit zum Betreten des Flugzeuges war gegeben, als die VlP-Kapsel in die PAK 1 gerollt wurde. Somit war das in Frage kommende Flugzeug klar und während der Montage der Kapsel in der Maschine und der vorbereitenden Uberprüfungen vor dem Start würde niemand irgendjemanden auf dem Weg ins Cockpit anhalten, möglicherweise um einen Feuerlöscher auszutauschen oder die Sprühvorrichtung in einem Lüftungsschacht anzubringen. Wenn die Sabotage in Chaklala durchgeführt worden war, müßten zwei Vorrichtungen benutzt werden, um sie auszulösen, ein Zeitschalter und ein Höhenmesser. Der Zeitschalter müßte den Höhenmesser aktivieren. Mit einer Vier-Stunden-Zeitspanne wären die Attentäter auf der sicheren Seite gewesen, indem sie eine Stunde vor dem Start einplanen, eine Stunde Flugzeit, und dann die Zeit, während der die PAK 1 auf dem Flugfeld bei Bahawalpur stand und der Höhenmesser durch den Zeitschalter entsichert wurde. Nun mußte das Flugzeug nur noch die erforderliche Höhe erreichen, woraufhin der Zünder ausgelöst wurde und im Cockpit das tödliche Gas entwich. Wenn Chaklala der Sabotageort war, dann war es ein derartiger Zünder, ansonsten wäre die PAK t kurz nach dem Start in Bahawalpur abgestürzt, und der Verdacht hätte sich auf das Bodenpersonal der dortigen Luftwaffenbasis gerichtet.

Die Verschwörung funktionierte. mit der Ausnahme, daß der amerikanische Botschafter und der Militär-Attache starben. Es ist sicher, daß, wer auch immer diesen Mordanschlag durchführte, keine Absicht hatte, die beiden Amerikaner unter den Opfern zu finden. Es war nicht zu ahnen, daß Zia die beiden in letzter Minute zum Flug einlud. Die Verschwörer waren darüber entsetzt. Sie erwarteten nun eine sehr ernsthafte, alles durchdringende und weitreichende Untersuchung durch die USA zur Aufdeckung der Todesursachen, welchc unzweifelhaft ihre Identität zum Vorschein gebracht hätte, aber dies unterblieb. Die Schlußphase dieses gnadenlosen Terroraktes war die Verschleierung durch die USA.

Die Verschleierung

Das State Department hätte einen Unfall oder einen technischen Fehler, einen Fehler des Piloten oder alles andere als Sabotage bevorzugt. Es war die Ermordung von zwei hochrangigen Diplomaten der USA und die amerikanische Öffentlichkeit würde verlangen, die Schuldigen zu erfahren. Bei einem solchen herausragenden terroristischen Akt, wie dem Flugzeugabsturz, wäre der öffentliche Aufschrei gegen die Täter sehr lange und sehr laut gewesen. Die Regierung wäre möglicherweise nicht in der Lage gewesen, die Stimmen zu besänftigen, die nach einer Vergeltung gerufen hätten. Abhängig davon, wer das Attentat verübt hat, könnte ein Bloßstellen der Schuldigen die US-Politik in der Region oder sonstwo in der Welt ruinieren.

Angenommen daß der KGB oder der KHAD verantwortlich gewesen wäre, wer hätte es gewagt, die UdSSR als Organisator des Massenmordes, als Schuldigen an der Ermordung eines Staatsoberhauptes vorzuführen und wie hätte dieses die Beziehungen zwischen 0st und West beeinflußt? Wie hätten die USA einen Ausbruch der Feindseligkeiten mit der UdSSR verhindern können? Sicherlich wäre der sowjetische Rückzug aus Afghanistan abgeblasen worden. Die Verwicklungen? die aus einer Beschuldigung Moskaus resultieren würden, wären gigantisch.

Genauso wäre das Dilemma als ernst zu betrachten, wenn die Verschwörer aus dem pakistanischen Militär stammten. Wenn die Untersuchungen herausgefunden hätten, daß es im pakistanischen Militär eine Anzahl von Anti-Zia-Generälen gab, wäre die amerikanische Öffentlichkeit empört darübcr, daß nach all diesen Jahren massiver Unterstützung der pakistanischen Armee und der Mudschahedin die Pakistanis einen US-Botschafter und einen Brigadegeneral töteten. Es wäre nutzlos zu behaupten, daß dies nicht beabsichtigt worden war. Die Beziehungen zwischen der USA und Pakistan wären dann ruiniert gewesen. Die Hilfe für Pakistan wäre gestrichen worden, das Militär wäre dem Präsidenten unterstellt worden, die demokratischen Wahlen, die für November vorgesehen waren, wären abgeblasen worden und damit die Möglichkeit, daß die weitaus moderatere Benazir Bhutto Premierministerin geworden wäre. Wie ich schon früher angeführt habe, war die US-Regierung nicht traurig darüber, daß Zia tot war. Das State Department war glücklich darüber, daß sich die Sowjets aus Afghanistan zurückzogen, jedoch nicht glücklich darüber, daß, wie die USA es voraussahen,von Zia gestützte Fundamentalisten die Herrschaft in Kabul übernahmen. Genauso wenig schätzte man die Entschlossenheit Zias, Nuklearwaffen zu besitzen. Mitte 1988 wurde Zia eher zu einer Belastung für die USA. als daß er ihnen nutzte.

Obwohl es unmöglich erschien, wäre es denkbar, daß eine kleine politische Fraktion oder Terrorgruppe, wie die Al-Zulfikar, das Unmöglichc erreicht hatte. Ernsthafte Untersuchungen hätten bedeutet, daß niemand vorher gewußt hätte, was die Untersuchungen alles ans Tageslicht bringen würden. Vor dem Untersuchungsausschuß des Repräsentantenhaus im Juni 1989 sagte Richard Armitage wegcn mangclnden ernsthaften Untersuchungen hinsichtlich der Sabotage: "Wir drängen Pakistan hoffentlich mehr in eine demokratische Richtung. Das Militär in Pakistan wurde, genauso wie das Staatsoberhaupt, gerade enthauptet, und wir sind sehr beunruhigt darüber, daß dies zu einem Rückschritt in Pakistan führen wird." Mit anderen Worten waren die Amerikaner sehr wohl darauf vorbereitet, die Mörder ihres Botschafters und des Brigadegenerals nicht zu finden, nur damit nicht an den bestehenden Verhältnissen gerüttelt werden könnte. Keine dieser Untersuchungen wäre nötig gewesen, hätten sich keine Amerikaner unter den Todesopfern befanden. Die ganze Angelegenheit wurde durch die Tatsache kompliziert, daß im Jahre 1986 der amerikanische Kongreß ein Gesetz erließ, das dem FBI das Recht und die Pflicht gab, Terroranschläge in Ubersee auf US-Staatsbürger zu untersuchen. Dies wird oftmals als das 'Gesetz des langen Arms7 bezeichnet.

Das State Department verfügte sofort nach dem Absturz vier Dinge, die zusammengenommen unweigerlich auf ein Vertuschen der Aktion hindeuten. Als erstes wurde innerhalb von Stunden ein Team von Technikern der Luftwaffe nach Pakistan geschickt, um die Untersuchungskommission zu unterstützen. Zum zweiten versuchte man nicht, auch nicht durch die Botschaft in Pakistan, die Autopsie der Leichen der Opfer, speziell der Flugzeugbesatzung, zu veranlassen, sondern erlaubte vielmehr, die Beerdigung, obwohl man wußte, daß wesentliche Beweise des Absturzes zusammen mit den Lcichen beerdigt wurden. Drittens entsandte man den Deputy National Security Adviser, Robert Oakley, um Raphels Posten zu übernehmen. Dieser sollte dafür sorgen, daß die bestehenden Verhältnisse nicht geändert wurden. Später sagte er im Juni 1989 einem sehr skeptischen Komitee, daß er alle Maßnahmen und Rechte, die er aufgrund des 'Gesetzes des langen Armes7 hatte, einfach vergessen hatte. Er hatte dies einfach vergessen, unabhängig von der Tatsache, daß er damals sehr um die Einführung dieses Gesetzes bemüht gewesen war. Die vierte Maßnahme vielleicht die wichtigste, war, das Veto gegen Untersuchungen des FBI in Pakistan. Oliver Revell, der FBI Assistant Director, wollte Klarheit darüber haben und am 21. August bekam cr die Erlaubnis ein Team zu entsenden. Diese Erlaubnis wurde jedoch später widerrufen - möglicherweise aufgrund der Instruktionen von Oakley. der zu diesem Zeitpunkt in Islamabad war.

General Beg, der es vermied, mit seinem Präsidenten zu sterben, flog einige Kreise mit seinem eigenen Flugzeug um das brennende Flugzeugwrack, bevor er direkt nach Islamabad flog. Dort wurden Einheiten der Armee alarmiert, Schlüsselpunkte besetzt und eine Sitzung des Krisenkabinetts einberufen. Es gab jedoch keine militärische Machtübernahme. Beg akzeptierte seine Ernennung zum Chef des Armeestabes, einem Posten, den Zia vorher inne hatte, während der zivile Vorsitzende des Senats, der 73 Jahre alte Ghulam Ishaq Khan, den Vorsitz der Ubergangsregierung übernahm. Die Wahl im November sollte wie geplant durchgeführt werden.

Es ist sicher, daß der Name desjenigen, der die Autopsien der Leichen gestoppt hat, niemals bekannt werden wird. Genauso wenig werden Details bekannt werden, was sich zwischen den pakistanischen Behörden und der US-Botschaft in Islamabad abspielte. Erst zehn Monate später flogen, nachdem der Kongreß starken Druck ausgeübt hatte, drei Angehörige des FBI zur Untersuchung nach Pakistan. Wie es Bill McCollum sagte: "Es war ein später Zeitpunkt, so daß das FBI wohl kaum herausfinden konnte, was damals passierte. Man wird versuchen herauszufinden, was sich damals im Außenministerium abspielte."

Das FBI- Team ging nicht mit der erforderlichen Encrgie an seine Aufgabe. Es wird berichtet, daß das FBI-Team keine peinlichen Fragen stellte und es sah nicht so aus, als wenn die Agenten geneigt wären, Beweise zu finden, die der Aussage widersprachen, daß die Leichen zu verbrannt waren, um sie einer Autopsie zuzuführen und sie mehr mit Sightseeing-Touren beschäftigt waren, als mit Kreuzverhören von Zeugen. Nach Quellen der Washington Times hielten sie sich außerhalb von Islamabad nur auf, um Touristenattraktionen zu besichtigen. Ihr Verhalten machte deutlich, daß sie nicht den Auftrag hatten, im Dreck herumzuwühlen.
Es gab von höchsten Stellen am Tag des Begräbnisses, am 20. August 1988, viel Heuchelei, Indien schickte seinen Präsidenten und deklarierte in Indien einen nationalen Trauertag. Der russische Botschafter legte feierlich einen Kranz nieder, während der amerikanische Außenminister, George Schultz, Zia als Märtyrer bezeichnete und dem Fundamentalistenführer Gulbudin Hekmatyar versicherte, daß die USRegierung alles tun würde, um ihre Bemühungen zum Erfolg bei der Befreiung Afghanistans zu unterstützen. Die Trauerfeierlichkeiten waren sowohl militärischer als auch islamischer Art. Hunderttausende Pakistani waren gekommen, um in der Nähe der goldverzierten Faisal Moschee den Sarg zu sehen, der mit der Nationalflagge und Blumen bedeckt war und von Soldaten auf den Schultern getragen wurde. Gebete folgten dem einundzwanzigschüssigen Salut.

Es herrschte allgemeine Trauer und böse Vorahnung bei den drei Millionen afghanischen Flüchtlingen, die innerhalb Pakistans in Flüchtlingslagern zusammengepfercht waren. Bei den Mudschahedin gab es das Gefühl eines großen Verlustes, denn Zia und Akhtar waren die wichtigsten Helfer für ihren Erfolg auf dem Gefechtsfeld. Nun war angesichts des sowjetischen Rückzuges der Sieg in Sichtweite, aber auch eine fortlaufende, ununterbrochene Unterstützung notwendig, um den letzten Schlag in Kabul durchzuführen. Wie der Leser entdecken wird, wurden die Mudschahedin jedoch in der Zukunft bitter enttäuscht.